Online: 06.02.2017 - ePaper: 07.02.2017

Noch immer männerdominiert

Betrifft: Artikel "EJK: Nein zu Abtreibung" (EJZ vom 4. Februar)

Jetzt weiß ich auch wieder, warum sie Halbgötter in Weiß heißen. Es ist eine ziemlich autoritäre, möchte fast sagen, absolutistische Haltung, einer gynäkologischen Station Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten und dies mit seinem eigenen Glauben, seinem Weltbild und dem Zusammenhang zu einem Gott, der erst noch bewiesen werden müsste, zu begründen (ach nein, ich vergaß, man muss ihn glauben, jenen Gott, nicht beweisen, und man weiß dann auch, was sein Wille ist, schließlich gibt es da dieses eine dicke Buch, diese Bibel, da steht alles Wichtige drin).

Ich finde das fast naiv. Wenn jemand Abtreibungen aus welchen Gründen auch immer ablehnend gegenübersteht, so ist das sein gutes Recht und ich respektiere das. Wenn jemand diese Einstellung hat, dann ist er sicher bestens in einer christlichen Klinik aufgehoben. Auch ist es beruhigend zu wissen, dass niemand gegen seinen Willen gezwungen werden kann, solche Eingriffe durchzuführen. Wenn sich aber zwei glatzköpfige ältere Herren strahlend der Presse präsentieren und sich nicht erklären können, dass auch Frauen manchmal der Trieb überkommt und nicht alle dieser liederlichen Frauen bereit sind, über viele Jahre hinweg die Pille mit Hormonen und Nebenwirkungen zu essen und sie obendrein die Gefahr verdrängen, anstatt sich die Pille danach zu besorgen, dann platzt mir echt was anderes als eine Eiblase beim Eisprung. Ja, da haben Männer es wohl immer noch deutlich einfacher, mit dem brünftigen Drauflosbumsen.

Ja, Frauen machen manchmal Fehler, und die sind schwerwiegend. Leider haben sie dann hinterher die Gewissensnot, die Entscheidung, die anschließenden Depressionen, die Gefahr des Eingriffs zu tragen. Ja. Das ist so. Und manche Fehler lassen sich nie wieder gut machen. Aber wir können auch gerne wieder zur Engelmacherin mit der Stricknadel zurückkehren. Abbrüche hat es immer gegeben und es wird sie immer geben, ebenso wie Prostituierte, Sex und Frauen, die sich verzweifelt Kinder wünschen und jene, die nun mal keine wollen.

Nein, wie ich bereits erwähnte, ich verstehe, wenn jemand gegen Abtreibungen ist und möglichst sollte es nicht so weit kommen, da sind wir uns einig. Aber ich habe etwas dagegen, wenn dieser Glaubenssatz für alle gelten soll. Dann bleibt mir nur zu sagen: Willkommen im Mittelalter. Ist über die Entscheidung, keine Abtreibungen mehr vorzunehmen, in der Klinik in geheimer Abstimmung befunden worden? Hatten die Mitarbeiter der gynäkologischen Station überhaupt eine Chance, anderer Meinung zu sein? Wohl kaum, wer stellt sich offen gegen seinen Chef?

Aber na ja, unser Halbgott in Weiß weiß ja, dass "kein Arzt das wirklich gerne macht" und "dass es verhaltene Zustimmung" gibt. Komisch, warum nur kommt es mir so vor, als sei diese Welt noch immer männerdominiert? Das ist wohl mein Glaube, und den sollte man bekanntlich nicht als Argument benutzen.

↔Dr. Cora Titz,

↔Groß Heide

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