Online: 06.02.2017 - ePaper: 07.02.2017

Ab in die Hinterhöfe?

Betrifft: Artikel "EJK: Nein zu Abtreibung" (EJZ vom 4. Februar)

Nein! Kein Arzt, Oberarzt oder Chefarzt hat das Recht, geltendes Recht in seinem Verantwortungsbereich ins Gegenteil zu kehren und schon gar nicht aus religiösen Motiven. Grundsätzlich haben es Gesetze so an sich, dass sie etwas verbieten oder dass sie etwas erlauben, meistens ist es eine Mischung aus beidem - jedenfalls hat sich jeder in seinem Geltungsbereich danach zu richten.

In den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist zum Thema Abtreibung eine ausreichend lange Debatte geführt worden, die in ein ordentliches Gesetz gepackt wurde. Viele Themenbereiche sind mit eingeflossen. Von ethisch-moralischen über gesundheitliche Aspekte bis hin zu Argumenten aus der Sektierer-Ecke sind damals in einem komplizierten Gesetzgebungsverfahren unendlich viele Bereiche berücksichtigt worden - und bis heute gilt dies! Solange bis sich eine Mehrheit findet, dies zu ändern - in welche Richtung auch immer.

Es war ein langer Weg durch die Instanzen, bis erlaubt wurde, unter bestimmten Bedingungen einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. Nun wollen die Herren Chef- und Oberärzte in Dannenberg an der Elbe also die Zeit zurückdrehen. Sie wollen, dass betroffene Frauen wieder in die Hinterhöfe zu den Engelsmacher/innen gehen. Diesen Frauen macht dieser Gang sicher nicht sonderlich Freude, und wenn Männer schwanger werden könnten, hätten wir einen Paragrafen 218 schon 100 Jahre früher gehabt. Wo sind wir hingekommen, dass derart extreme Ansichten wieder Platz greifen und Religion in Bereiche eindringt, wo sie nichts zu suchen hat? Ich glaube, wir müssen vermehrt darauf hinweisen, dass die Bundesrepublik Deutschland ein säkularer Staat und ein Staat mit Regeln ist. Das hat etwas mit Humanismus und mit Aufklärung zu tun, meine Herren?

↔Michael Schöning,

↔Küsten

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