Online: 06.02.2017 - ePaper: 07.02.2017

Zynismus

Betrifft: Artikel "EJK: Nein zu Abtreibung" (EJZ vom 4. Februar)

Deutschland ist nicht unbedingt ein kinderfreundliches Land. Familien fällt es oft schwer, den Spagat zwischen alltäglichem Broterwerb und zugewandter Kinderbetreuung zu schaffen. Erst recht in Lüchow-Dannenberg: Die meisten Kindergärten bieten keine Nachmittagsbetreuung an, eine Vollzeitbeschäftigung ist so zumindest bei einem Elternteil nicht möglich. Was das für Frauen in vielen Fällen bedeutet: Sie stecken zurück. Sie haben keinen oder einen geringen Verdienst, sie können sich nur schlecht um ihre Altersvorsorge kümmern, obwohl viele von ihnen doch einen so wichtigen Teil zu unserer Gesellschaft beitragen. Dass zwei leitende Ärzte des Dannenberger Klinikums den Frauen im Landkreis nun verweigern wollen, eine Schwangerschaft abzubrechen, die unerwünscht ist, verschlimmert diese Lage noch. Mit welchem Zynismus und welcher Selbstgerechtigkeit empfiehlt der leitende Gynäkologe Thomas U. Börner den Frauen, doch einfach zu verhüten. Oder den Lebensgefährten zu überzeugen, das Kind doch zu bekommen. Er überredete während seiner Tätigkeit in Uelzen in Not geratene Schwangere dazu, die Schwangerschaft nicht abzubrechen. Die Frauen schickte er zurück in ihr Leben, das zu meistern sie vielleicht schon ohne Kind schier zur Verzweiflung bringt, und in dem eine jede Unterstützung fehlt. Er selbst kann sich dann ja wieder der Arbeit widmen, die er gerne tut.

↔Vivian Rossau, Küsten

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