Online: 07.02.2017 - ePaper: 08.02.2017

Vorschlag: Selbstversuch mit Kanzlerkandidat Schulz

Betrifft: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei Anne Will

Es war ein außerordentliches Vergnügen, die Vorstellung unseres eventuellen neuen Bundeskanzlers bei Anne Will zu erleben. Wunderbare Rhetorik; endlich wird einer kommen, der die Nöte der kleinen Leute, sprich der kleinen Handwerker, der Friseurinnen, der Kassiererinnen oder der alleinerziehenden Mutter oder dem Vater nun aus dem Sumpf des Vergessens herausziehen wird und endlich eine soziale Gerechtigkeit herzustellen verspricht.

Kampf gegen Rechts - etwas nebulös ausgedrückt, was Martin Schulz mit einem Fairnesspakt mit allen Parteien meint, aber gleichzeitig nicht mit denen, die das Wort Lügenpresse in den Mund nehmen. Meint er nun, aus welcher Partei auch immer, wenn sich einer daneben benimmt? Oder wollte er ein Pauschalurteil über eine bestimmte demokratische Partei fällen?

Aber es kann vorkommen, dass in der Rhetorik einer Selbstdarstellung, den Schliff der Sprache auf dem Parkett in Brüssel erworben, trotzdem einem etwas unterläuft. Ja, ich als Bürger hoffe auch, dass es einen Ruck in allen Parteien zu mehr Ehrlichkeit und weniger Wunsch-Wort-Vorstellungen für die Bürgerinnen und Bürger in diesem anstehenden Wahljahr geben wird. Ich wünschte, Martin Schulz würde, um seine fabelhafte Rede, die ich gehört hatte, zu untermauern und glaubwürdig zu machen, einmal drei Monate lang mit dem Budget auskommen, das die schwer malochenden Menschen in einem Monat verdienen, die er in seinen Mittelpunkt stellen will, und mit dem sie auskommen müssen. Es wäre wunderbar, wenn es zu diesem hypothetisch angenommenen Selbstversuch der Bürgernähe käme. Im Budget darf aber jeden Monat nicht vergessen werden die Rücklage für die Altersvorsorge oder für ein ökologisch freundlicheres Auto, da bereits das vorhandene Auto bedenklich viel auf dem Tacho hat und er dort wohnt, wo die Miete noch erschwinglich ist, aber die nächste Bahnanbindung 20 Kilometer entfernt und Busse nur zweimal am Tag fahren. Eine Theaterkarte, einen Extra-Kaffee, einmal schick Essen gehen, besonders, wenn noch Kinder zu versorgen sind, sind wahrscheinlich nicht drin.

A la Dschungelcamp könnte so ein Selbstversuch, was ein hoher Politiker wie er dann jeden Tag fühlt, gepostet werden. Garantiert: Diese Nachrichten würden alle Zuschauerrekorde brechen. Ich persönlich glaube, Herr Schulz würde so einen hypothetischen Vorschlag auch durchhalten, drei Monate sind überschaubar und nicht über Jahre Alltag wie für viele Bürger unseres Landes.

Elisabeth Klingelhöller, Sallahn

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