Online: 09.02.2017 - ePaper: 10.02.2017

Handschrift eines kleinen Hutzelmännchens

Betrifft: Kommentar "Scheinheilig" von Benjamin Piel (EJZ vom 4. Februar)

Populistisch passt besser zu dem Kommentar, der gefährlich falsch verstanden werden kann. Niemand schlägt auf den US-Präsidenten ein, ebenso wenig, wie niemand die Absicht hatte, eine Mauer zu bauen. Das Verhalten dieses Mannes, seine Worte, seine Körpersprache und sein Blick, unterscheiden sich von Obama darin, dass letzterer stets einen klaren und wachsamen Augenausdruck zeigte und in der Realität stand. Wiederholungen im Satz kamen selten vor, waren dann als rhetorisches Mittel erkennbar. Wenn Obama nach Fakten gefragt wurde, hatte er die Antworten gewusst und musste seine Gesprächspartner nicht abwürgen. Er ist studierter Jurist. Alles, was aus Trumps Mund kommt, ist dagegen unausgegoren und Hass: Auf Mexikaner, auf Muslime, auf Frauen, und irgendwie hat man den Eindruck, der Mann hat von Tuten und Blasen keine Ahnung und glaubt, sich mit Geld alles erlauben zu können. Wenn der Kommentator den Einreisestopp für Muslime aus Ländern, mit denen Herr Trump keine privaten Geschäftsbeziehungen pflegt, aus dem Gesamtkonzept seines Regierungsplanes, so es einen gibt, isoliert, und den Eingriff in die freie Marktwirtschaft, Äußerungen zur NATO, zu Europa, zu Putin, zur Tötung von Kindern Terrorverdächtiger, nicht erwähnt, handelt er scheinheilig. Aber das weiß er auch. Ich denke, Benjamin Piel wollte mit den grundsätzlich richtigen Erläuterungen positiv aufrütteln.

Nur bitte die deutsche Flüchtlingspolitik nicht in Zusammenhang mit Trump bringen und vermischen. Richtig ist, dass wir es auch geschafft hätten. Aber nur, wenn alle EU-Staaten an einem Strang ziehen. Das hat Frau Merkel stets betont. Die sich bekreuzigende christlich katholische Vertreterin Polens, das neben einem großen Freiheitskämpfer auch einen ganz großen Papst hervor gebracht hat, weigerte sich aber, nur 5000 halb verhungerte Frauen und Kinder aufzunehmen.

Zu den Befürwortern Trumps: Alles, was der Mann mit deutschen Wurzeln und arischem Aussehen zeigt, trägt die Handschrift eines kleinen Hutzelmännchens, das die Amerikaner einst das Fürchten lehrte und viele jungen Männern von dort das Leben kostete. Daran sollten alle die Amerikaner denken, die keine ausreichenden Geschichtskenntnisse von ihrer Schule mitbekommen haben und mit einem Massenmörder sympathisieren. Wir stehen vielleicht am Vorabend des Dritten Weltkriegs. Hitler hatte die Bombe noch nicht. Nordkorea ist unberechenbar. Der Iran möchte Israel lieber heute als morgen von der Landkarte tilgen. Was alles noch von außen in Trumps Amtszeit hinein getragen wird, wissen wir nicht. Auch George Bush wollte Amerika sanieren und stand nach dem 11. September mitten im Irak und in Afghanistan. Es gibt nicht-militärische Lösungen für den Nahen Osten, auch sogar für den IS. Die liegen im gemeinsamen Glauben, dem Koran als Grundlage dessen, und der Erkenntnis, dass alle Muslime Brüder sind.

↔Michael Hansen, Gorleben

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