Online: 09.02.2017 - ePaper: 10.02.2017

Blöder Traum und Realität

Betrifft: "EJK: Nein zu Abtreibungen" (EJZ vom 4. Februar)

Da hatte ich neulich doch schon wieder diesen blöden Traum: Es ist Bundestagswahl. 35 Prozent der Deutschen gehen zur Wahl, und die AfD hat in einer Koalition mit der NPD die Mehrheit. Die CSU stimmt mit einigen anderen kleinen Parteien einem Ermächtigungsgesetz zu, damit das Grundgesetz abgeschafft und die Reformen des Gleichstellungsgesetzes § 1356 BGB und des § 218 StGB rückgängig gemacht werden können. Björn Höcke wird Reichskanzler, und Wilhelm von Gottberg übernimmt mit der Yellow Press die Auswahl einer Monarchenfamilie für das Berliner Stadtschloss. Asylanten werden in die Kolonien zurückgeführt. Von den türkischen Gastarbeitern dürfen lediglich erdogantreue Familien in Deutschland bleiben. Lüchow-Dannenberg wird eine Vorreiterrolle zugesprochen. Aus linksintellektuellen Seminarhäusern werden Einrichtungen des Lebensborn e. V. und Schulungszentren für nationale Gesinnung.

Ich bin aufgewacht. Puh, es war nur ein Traum. Es ist alles gut. Die Demokratie in Deutschland steht auf ehernen Füßen. Angela hat ein Herz für Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten. Alle spenden für "Ärzte ohne Grenzen". Deutschland: gut. Dann gehe ich die Zeitung holen. Die EJZ. Beim Frühstück lese ich, dass im Dannenberger Klinikum der legale Schwangerschaftsabbruch abgeschafft wurde. Und das Wilhelm von Gottberg (AfD) womöglich Alterspräsident des Bundestages wird. Pflichtschuldig kriegt er auf Seite 2 der EJZ ein Großfoto. Und nicht etwa der Pastor als wichtigster Redner des Schnegaer Neujahrsempfangs. Aus der Traum?

↔Jörg Ehreke, Lütenthien

^ Seitenanfang