Online: 10.02.2017 - ePaper: 11.02.2017

EJK-Leitbild ernst nehmen

Betrifft: Artikel "EJK: Nein zur Abtreibung" (EJZ vom 4. Februar)

Ich bin immer wieder überrascht, dass sich beim Thema Abtreibung viele Männern mit einer ähnlich fundamentalistischen Grundhaltung wie der des Dr. Börner finden, um ihre vermeintlich moralische Überlegenheit abzusondern. Es mag ja ein erhebendes Gefühl sein, vom Thron der Moral auf das Leben herabzublicken. Dass man selbst ja nicht schwanger werden kann, stärkt offenbar die Selbstgerechtigkeit erheblich. Eine Gesellschaft ist nicht frei, wenn nicht in allen Bereichen des Lebens Säkularität herrscht. Glaube - sofern ein Mensch ihn benötigt - muss immer Privatsache sein. Darum ist es zu akzeptieren, wenn Dr. X für sich entscheidet, keine Abtreibungen durchzuführen. Aber auf keinen Fall dürfen wir akzeptieren, dass er mit seiner Einstellung andere einschränkt, die ihre Tätigkeit im Rahmen der bestehenden Gesetze ausführen und bereit sind, Frauen in Not beizustehen. Den Moralaposteln empfehle ich einmal, "Empfängnisverhütung" zu googeln. Der Pearl-Index weist den Häufigkeitsgrad des Versagens von Verhütungsmitteln und Methoden aus. Hoffentlich bin ich nicht aufgrund einer Notsituation gezwungen, die Dienste der EJK in Anspruch nehmen zu müssen. Freiwillig werde ich das nicht tun, solange dort nicht wieder eine liberale, gesetzeskonforme Haltung in Sachen Schwangerschaftsabbruch eingenommen wird. Es wäre gut, wenn die EJK einfach ihren Leitbildgrundsatz: "Wir versorgen unsere Patienten fürsorglich, kompetent und respektvoll" ernst nähme. Die betroffenen Frauen haben den Respekt verdient.

↔Jürgen Liebich, Salderatzen

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