Online: 10.02.2017 - ePaper: 11.02.2017

Riesiger Rückschritt in die 50er-Jahre

Betrifft: Artikel "EJK: Nein zur Abtreibung" (EJZ vom 4. Februar)

Des einen Freud, des anderen Leid - Thomas Börner, Chefarzt der Gynäkologie an der Dannenberger Capio Elbe-Jeetzel Klinik, freut sich, dass er nun endlich eine Stelle bekommen hat, trotz seiner Haltung, Schwangerschaftsabbrüche nicht vorzunehmen. Dass Herr Börner ausgerechnet in einer solch exponierten Stelle seine rückwärts gewandten und patriarchalischen Überzeugungen verteidigen darf und dafür - wie nicht selten in der Vergangenheit - Gott und die Kirche beziehungsweise eine christliche Grundhaltung herhalten müssen, ist für die Frauen in Lüchow Dannenberg ein schwerer Eingriff in ihr Selbstbestimmungsrecht. Es gibt für Frauen kaum eine Entscheidung, die so schwerfällt wie ein Schwangerschaftsabbruch. Wenn Männer in maßgeblicher Position christliche Motive anführen, um über das Recht auf Abtreibung zu bestimmen, ist das ein riesiger Rückschritt in die 50er-Jahre. Frauen haben jahrelang um das Selbstbestimmungsrecht gekämpft.

Wenn Herr Börner und der Klinikchef Dr. Markus Fröhling moralisch als auch medizinisch darüber entscheiden, ob im Dannenberger Krankenhaus ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden darf, setzen sie ein gesellschaftspolitisches Signal. Frauen in einer existenziellen Notlage im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden wieder auf Reisen geschickt, um eine Klinik zu finden, die einen medizinisch und hygienisch sicheren Schwangerschaftsabbruch vornehmen kann und auch will.

Grundsätzlich ist ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland rechtswidrig, das heißt, Frauen in Not wird es vom Gesetz her ohnehin schon schwer gemacht, eine Indikation zum Abbruch zu bekommen.

Ein legaler Abbruch ist nur nach einer Schwangerschaftskonfliktberatung und einer vorgeschriebenen Bedenkzeit möglich. Frauen müssen demnach ohnehin ihre eigene Entscheidung mehrfach überprüfen und hinterfragen lassen. Nun aber sollen wieder Männer über das Leben der Frau und ihren Körper bestimmen.

Das lang erkämpfte Recht, als schwangere Frau eigenverantwortlich für oder gegen das Kind zu entscheiden, wird durch Ärzte bedroht, die ihre persönliche christlich anthroposophische Überzeugung einsetzen, um missionarisch und in vermeintlich christlicher Nächstenliebe Frauen das Selbstbestimmungsrecht und dessen Durchsetzung zu verweigern.

↔Ortrud Glowatzki, Tüschau, ↔und Judith Christner, Prießeck, ↔für den Verein Frauen

↔für Frauen

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