Online: 10.02.2017 - ePaper: 11.02.2017

Mogelpackung Arbeitslosenzahlen

Betrifft: Artikel "Leichter Winter-Blues" (EJZ vom 1. Februar)

Am Monatsbeginn veröffentlichte die EJZ die Arbeitslosenzahlen für Januar in DAN: 1901 Personen, 8,5 Prozent. Zufällig finde ich ein paar Seiten weiter die "EJZ vor 25 Jahren" vom 13. Januar 1992. Überschrift: "Einsamer Spitzenreiter in Niedersachsen" mit den damaligen Zahlen: 2610 Menschen, entsprechend 15,1 Prozent. Mit dieser vermeintlichen Fast-Halbierung der Prozente verbreitet die EJZ seit Jahren Jubelmeldungen über Arbeitslosenzahlen seit Einführung der Hartz IV-Gesetze und den passend gemachten Statistiken. Der ehemalige Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sagte 2009 in der Sendung Panorama: "Alles, was an Effekten durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen entsteht, wird mit der Arbeitsmarktstatistik veröffentlicht... Wer anders rechnen will, kann seine Zahl ja veröffentlichen."

Dann schauen wir uns das mal an: Erst auf meine energische Intervention fand sich die EJZ bereit, Zahlen der "Unterbeschäftigung" beizufügen. Ein wohlklingender Etikettenschwindel. Und ein statistischer Trick, der erst einmal rund 26 Prozent Menschen ohne Arbeit schlicht verschwinden lässt. In DAN sind 2389 Menschen "unterbeschäftigt". Das sind zu den 1901 ohne Arbeit weitere 488 verharmloste Schicksale, nämlich Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Maßnahmen teilnehmen müssen. Viele der Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen ebenso nicht in offizieller Statistik. Ab 2009 eine weitere Ausnahme: Werden private Arbeitsvermittler tätig, zählt der Betreute nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat. Maßnahmen führen selten zu Arbeit im 1. Arbeitsmarkt, also regulären Vollzeitstellen.

In den Bevölkerungsstatistiken findet man Folgendes: Die Bevölkerungszahl in DAN betrug 1992 etwa soviel wie heute. Mit dem Unterschied der Altersverteilung: Während es 1992 in der Alterskategorie 18 bis 65 Jahre etwa 31000 Menschen gab, sind es jetzt nur noch 26000. Will man Zahlen von heute mit denen von damals vergleichen, muss man diesen Effekt berücksichtigen. Die 2610 Betroffenen vom Januar 1992 würden heute von den "Unterbeschäftigten" deutlich übertroffen (Hoch gerechnet ca. 2850). Das wurde mit der neuen Statistik erfolgreich raus"optimiert": Statt den damals errechneten 15,1 Prozent landet man heute bei schön gerechneten 8,5 Prozent. Es hat sich gar nichts geändert außer: Es gibt eine Vielzahl von zusätzlichen Tricksereien. Leiharbeit, immer mehr befristete Verträge und einen Mindestlohn, der laut Studien in 50 Prozent der Fälle unterlaufen wird. Dazu die Menge Aufstocker und eine Lohnstruktur, bei der man mit 2500 Euro brutto im Alter auf Hartz IV-Niveau landet.

Aber nun ist ja Schulz...mit lustig. Vom kleinen Mann redet auch er gern, und seine Zornesader schwillt werbewirksam. Aber hat er bisher mit einem einzigen Wort gesagt, was er ändern will an der verheerenden Politik von Schröder und Gabriel und vor allem mit wem? Mit der FDP? Na denn man tau.

↔Kurt Herzog,

↔Dannenberg

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