Online: 14.02.2017 - ePaper: 15.02.2017

Angst vor den anderen

Betrifft: Artikel "Nein zu Abtreibungen" (EJZ vom 4. Februar)

Eine Klinik will keine Abtreibungen mehr durchführen. Ich freue mich darüber, denn ich arbeite ehrenamtlich mit Schwangeren, die sich im Konflikt befinden.

Was treibt die Frau zur Abtreibung, die ja keine Frau gerne macht, wie immer wieder betont wird. Die Angst, dass der Partner nicht Ja zum Kind sagt, dass die Eltern die junge Schwangere nicht unterstützen wollen, dass die Familie die Schwangere aus religiösen Gründen aus dem Haus wirft, Angst, die Lehre nicht zu Ende zu bringen, Angst, den Schulabschluss nicht zu schaffen. Nicht die Schwangere hat in der Regel den Wunsch abzutreiben, sondern es ist die Angst vor dem, was die anderen sagen. Nicht zuletzt die Schande nicht richtig verhütet zu haben. Wäre es nicht besser, der Frau anders zu helfen als mit einer Abtreibung?

Wie geht es der Frau nach der Abtreibung? Sie ist blass, fühlt ihren Bauch, nimmt keinen Blickkontakt auf, so der Bericht eines Krankenpflegers, der das beobachtet hat. Und die Spätfolgen? Da würde ich gerne die Krankenkassen fragen: Wie viele Frauen landen in der Psychiatrie nach einer Abtreibung? Wie viele bekommen sofort wieder ein Kind, weil sie ihr erstes Kind so vermissen? Und wie viele Frauen in der Kinderwunschklinik haben in ihrer Lebensgeschichte eine Abtreibung, sodass es auf natürlichem Weg nicht mehr geklappt hat?

Eine Klinik bei uns in der Nähe hat die Geburtsabteilung geschlossen, macht aber weiter Abtreibungen. Das heißt: Abtreibungen bekommt man schon in der Nähe angeboten, aber um ein Kind zu gebären, muss man weit fahren.

Und wer möchte von einem Arzt behandelt werden, der in dem einen Kreißsaal für das Leben des Kindes und der Mutter kämpft und im anderen Raum eine Abtreibung vornimmt?

↔Monika Friederich, Tornesch

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