Online: 14.02.2017 - ePaper: 15.02.2017

Bauern sind humorlos

Betrifft: Artikel "Bauernverband fordert Rücktritt" (EJZ vom 9. Februar)

Der Bauernverband verwahrte sich gegen die Aktion "Neue Bauernregeln". Sie sei unfair, unsachlich und ehrverletzend. Ich habe diesen Eindruck nicht. Soweit ich die Aktion kenne, hat jeder Slogan einen sachlichen Hintergrund, beispielsweise Massentierhaltung oder Wasserbelastung. Was könnte daran unfair sein? Ich las erst vor Kurzem über zusätzlichen Aufwand und Kosten bei der Trinkwasserversorgung wegen Nitrat. Die Massentierhaltung ist wohl auch nicht abgeschafft. Die Texte finde ich witzig und originell, die Bauern sind humorlos. Ich habe über 30 Jahre in der landwirtschaftlichen Forschung gearbeitet und hörte von damaligen Kollegen (auch Tierärzte) schlimmste Feststellungen. Zwischenzeitliche Verbesserungen mögen sein, aber deswegen Unsachlichkeit? Erst als Folge der Aktion und Dank der EJZ verstand ich, dass es ein Bürgerbeteiligungsverfahren zur europäischen Landwirtschaft gibt, warum informierten Bauernverband und Parteien nicht darüber? Den Vorwurf der Mitfinanzierung durch Steuern sollte der Bauernverband besser überdenken. Welcher Sektor wird denn von oben bis unten durchsubventioniert?

Viel interessanter wäre doch zu erfahren, was auf europäischer Ebene geplant wird. Beteiligung ohne Wissen von Planungen nenne ich unfair. Transparenz könnte hier ebenso wenig schaden wie bei TTIP. Profitierten die Landwirte möglicherweise auf EU-Ebene und haben deswegen die Sorge, Bürger könnten dies erkennen? Brüssel ist ein sehr bekannter Ort für Lobbyisten. Deswegen: Erst einmal auf europäische Planungen aufmerksam machen und die Möglichkeit der Information schaffen, das hat die Aktion offenbar bewirkt.

↔Michael Langer, Wustrow

^ Seitenanfang