Online: 14.02.2017 - ePaper: 15.02.2017

Hilfe für Mütter und Kinder

Betrifft: Artikel "Deutsche Capio rudert zurück" (EJZ vom 8. Februar)

Der Eid des Hippokrates ist nicht mehr verpflichtend. Islam und katholische Kirche verbieten Abtreibung und Verhütung mit Ausnahme natürlicher Methoden. Die evangelische Kirche hält sich ans Gesetz, wie in einem säkularen Staat üblich. Glaube also Nein, wenn auch auf moderne Verhütung hingewiesen wird. Gewissen ja. US-Ärzte weigern sich mit demselben Argument Hinrichtungen durchzuführen. Gut so. Ein Privatarzt/Leiter einer Privatklinik ohne Beiträge der Solidargemeinschaft kann seine Praxis nach Gutdünken führen. Ein Krankenhaus, wenn auch privatisiert, das überwiegend von gesetzlich Versicherten genutzt wird und dann doch von öffentlichen Mitteln profitiert, muss die Belange von Steuerzahler und Allgemeinheit beachten. Alles andere widerspräche dem Gleichheitsgrundsatz. Dazu gehört auch die Gleichbehandlung aller Patienten.

Dass eigene Meinung, Gewissen und tatsächliche Übung im Leben oft im Widerspruch stehen, wissen Richter, Priester und Ärzte nur zu gut. Ärzte sind dem Wohl der Patienten verpflichtet - gut so. Aller Patienten. Fingerspitzengefühl, Abwägen und Kompromisse sind deshalb das tägliche Brot. Ein Kompromiss könnte sein, für den rechtlich einwandfreien Abbruch, wenn es nicht anders geht, Belegärzten die Nutzung des Krankenhauses zu gestatten. Gleichzeitig muss in der Klinik ein Zentrum für die Begleitung von Mutter und Kind entstehen. Eltern ist man nämlich ein Leben lang. Kinder sind unsere Zukunft. Ohne Kinder geht gar nichts. Sie sind die Steuerzahler von morgen und die Garantie für die Rente der Eltern. Aber Kinder brauchen Liebe, Zuwendung, Hilfe, Aufmunterung, ein intaktes soziales Umfeld, Bildung. Die Liste ist lang, bis sich ein junger Mensch selbst ernähren kann. Das überfordert oft schon gestandene Elternpaare. Eine alleinerziehende Mutter nach der Entbindung nach Hause zu schicken, in der Hoffnung, das Kindergeld wird es schon richten, ist eine vorprogrammierte Katastrophe.

Wenn unsere Dannenberger Klinik die erste wird, die Müttern und Kindern hilft, statt Abtreibung das gemeinsame Leben zu wählen und ihnen dazu eine Zuflucht bietet, in allen Lebenslagen Ansprechpartner und Begleiter zu bleiben, wird sich die Zahl der Abtreibungen sicher verringern. Auch die Freigabe zur Adoption ist eine Alternative, kann die Mutter ihr Kind ja eines Tages noch in die Arme nehmen, was nie möglich wäre, wenn es tot ist. Kinder kosten zudem viel Geld, und neben menschlicher Begleitung und Fürsorge ist Rechtshilfe bis zur Arbeitsplatzsuche für die Mutter unerlässlich. Der Chefarzt als "Vater" "seiner" Kinder kann sich bei diesem Modell eines Tages zufrieden zur Ruhe setzen. Allerdings gilt auch hier: Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Bis zu dem Tag, an dem sich ein junger Arzt in der Klinik zum Dienst meldet, der ohne dieses Engagement nicht auf die Welt gekommen wäre.

↔Michael Hansen,

↔Gorleben

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