Online: 17.02.2017 - ePaper: 18.02.2017

Wann ist der Mensch ein Mensch?

Betrifft: "Nein zur Abtreibung" (EJZ vom 4. Februar)

Bis zum heutigen Tag ist weder medizinisch noch juristisch zu 100 Prozent geklärt, ab welchem Zeitpunkt der Mensch ein Mensch ist. Es ist auch trotz allem wissenschaftlichen Fortschritt niemandem gelungen, künstlich Leben zu erzeugen. Dazu müsste man den Erfinder allen Lebens fragen, nämlich Gott. Leider oder besser glücklicherweise gibt uns Gott dazu keine Antwort, sonst wäre Gott kein Gott. Weil wir offensichtlich nicht in der Lage sind, Leben herzustellen, steht uns Menschen auch nicht zu, dieses zu beenden.

Es ist ein Irrtum, wenn Menschen meinen, es gäbe bis zur zwölften Schwangerschaftswoche ein Recht auf Abtreibung. Im Gegenteil. Der Staat verzichtet nur in dieser Zeit auf eine Strafverfolgung. Dieses ist sowohl juristisch und ethisch sehr umstritten, weil auch der ungeborene Mensch aus Körper und Seele besteht, die Wissenschaft aber bestenfalls nur den körperlichen Entwicklungsstand zu beurteilen vermag.

Ärzte sind grundsätzlich in jedem Fall dem Erhalt des Lebens verpflichtet, und es ist gegenüber jedem Arzt eine Zumutung, von ihm zu erwarten, Leben zu vernichten. Deshalb kann ich Herrn Börner nur beglückwünschen und ihm meinen Respekt vor seiner Standhaftigkeit ausdrücken. Ich wünschte, mancher Politiker hätte auch soviel Rückgrat.

Frauen, die behaupten, über ihren eigenen Körper frei verfügen zu können, stimme ich in soweit zu, dass sie ihre Organe spenden und Operationen zustimmen können, soweit es ihren Körper betrifft. Aber über ungeborenes Leben zu verfügen, steht ihnen nicht zu, weil dieses ein selbstständiger Mensch und juristisch bereits vor der Geburt erbberechtigt ist. Frauen, die keine Kinder möchten, bleibt die Sterilisation unbenommen, denn damit ist eine ungewollte Schwangerschaft faktisch ausgeschlossen, und die Frauen können ihr selbstbestimmtes Leben führen.

Die Gemeinschaft der Versicherten mit den Kosten für Schwangerschaftsabbrüche zu belasten, ist nicht nur egoistisch, sondern auch zutiefst unsozial, weil die nächste Generation noch länger auf ihre wohlverdiente Rente warten muss. Bis Ende Dezember 2016 wurden laut offizieller Statistik etwa 99200 Kinder im Mutterleib getötet - also etwa so viele wie Menschen in einer deutschen Großstadt leben. Welch eine Katastrophe - vor allem für die betroffenen Frauen

↔Reiner Gutt, Gorleben

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