Online: 17.02.2017 - ePaper: 18.02.2017

Empörung über Bauernregeln

Betrifft: Artikel "Bauernverband fordert Rücktritt" (EJZ vom 9. Februar)

"Wozu macht man das überhaupt alles, wenn einem so viele Knüppel zwischen die Beine geworfen werden?" fragt Herr Tebel auf der MR Mitgliederversammlung, und Thorsten Freudenthal ergänzt: "Wir brauchen eine Politik, die hinter uns Landwirten steht." Ich kenne Herrn Tebel als freundlichen Menschen. Als aktiver Bauer hat er sich zum Kreislandwirt wählen lassen und setzt sich für die Landwirte tatkräftig ein, die im Bauernverband organisiert sind. Das macht ihn sympathisch. Nur: Kämpft Herr Tebel für eine zukunftsfähige Landwirtschaft? Ist es nicht Politik des Bauerverbandes, der eine Landwirtschaft fordert und fördert, die vollständig vom Öl abhängt, die dem Prinzip der Ausbeutung folgt und dreimal so viele Ressourcen verschleudert wie sie selbst erzeugt? Ist nicht die Agrarlobby dabei die treibende Kraft, die Bauernverbände das willige und abhängige Fußvolk? "Wir haben es satt!" Nicht Herr Tebel bekommt Knüppel zwischen die Beine, sondern eine Landwirtschaft wird abgelehnt, die Lebensgrundlagen zerstört.

Sind es persönliche Konflikte zwischen dem Handeln aufrechter Bauerinnen und Bauern, die sich um artgerechte Tierhaltung und die Produktion gesunder Lebensmittel bemühen, einerseits, und den Zielen ihres Lobbyverbandes andererseits, der die Ideale einer bäuerlichen Landwirtschaft im Munde führt, aber "Wachse oder weiche!" offensiv und sehr erfolgreich betreibt? Gibt es andere Wirtschaftszweige, die so gefördert werden wie die Landwirtschaft? Ist nicht das "Bedingungslose Grundeinkommen" durch die EU Förderung von 320 Euro pro Hektar längst Wirklichkeit? Bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 73 Hektar sind das 23360 Euro pro Betrieb jedes Jahr, die dem Landwirt gezahlt werden, der Acker bewirtschaftet. Wer hat so viele Privilegien wie die Landwirte? Wer darf noch im Außenbereich bauen, was er will? Wer darf mit panzerschweren Maschinen auf Wegen fahren, die für 3,5 Tonnen ausgelegt sind? Wundert es die Landwirte, dass ihre Privilegien den sozialen Frieden stören, wenn sie öffentlichen Wegeränder abpflügen, illegal Hecken roden, rechtliche Lücken zum "legalen" Umbruch von Grünlandflächen nutzen?

Es wurde genug geredet über tierquälerische Haltung, über die Ressourcenverschwendung durch Feldberegnung, über Zusammenhänge zwischen Landbearbeitung und den Hochwasserkatastrophen, über den schleichenden Abbau von Humus durch Kunstdünger, über Krebserzeugung durch amtlich zugelassene Pflanzenschutzmittel, über die Zusammenhänge zwischen Pflanzenschutz und Bienensterben, über die Überdüngung von Gewässern durch ausgeschwemmten Kunstdünger, über die schleichende Vergiftung des Grundwassers durch Pflanzenschutzmittel. Kreislandwirt Tebel hat völlig Recht zu fragen "Wozu macht man das überhaupt alles?" Es geht ja anders.

↔Michael Seelig, Kukate


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