Online: 21.02.2017 - ePaper: 22.02.2017

Grüne Woche ist kein Erfolg

Betrifft: Jeetzel-Verkauf in Hitzacker

Die Mär von einem privaten Jeetzel-Kauf dürfte nunmehr ein Ende gefunden haben. Was war geschehen? Noch im alten Stadtrat hatte Stadtdirektor Jürgen Meyer von zweifelhaften Veräußerungsabsichten einer Bundesbehörde berichtet. Sofort bekundeten maßgebliche Mitglieder der Koalition der Acht: Jetzt bestehe die Gefahr, dass Peter Schneeberg dieses Stück Jeetzel aus Eigeninteresse kaufen könnte. Ein irrationaler Widerstand gründete sich. Man wollte einmal mehr sich an Schneeberg abarbeiten - es ist doch zu schön, Feindschaften zu pflegen. Bis heute gibt es keinerlei Zeichen für ein Kaufinteresse für die Jeetzel von Schneeberg. Aber die Idee des Widerstands nahm Gestalt an, bis hin zur Heroisierung eines Quasi-Freiheitskampfes. Ein dortiger Nachbar sprach gar von der schrecklichen Vision, dann keine Schwimmer mehr in der Jeetzel beobachten zu können.

Für Sendungsbewusstsein gegen das Böse ist die Ratio nur lästig, hier der Fakten-Check: Was sollte ein Käufer mit einem fließenden Stück Jeetzel anfangen? Einen Staudamm bauen oder dergleichen? Natürlich unsinnig. Dieser Bereich fällt in den Komplex des Hochwasserschutzes. Dort ist der Jeetzeldeichverband notwendigerweise privilegiert. Und Bebauungspläne, sofern überhaupt möglich, müssten zudem vom Stadtrat abgesegnet werden. Und kein Käufer wird fast 100000 Euro Kauf- und zusätzliche Unterhaltungskosten investieren, um dann doch nur lächerliche Pachteinnahmen zu generieren. So viel kaufmännische Dummheit gibt es nicht.

Auf eine Klarstellung des Stadtdirektors zu diesem Komplex wartet man vergeblich. Stattdessen war dieser einmal mehr für über eine Woche zur unterhaltsamen Grünen Woche in Berlin. Es fügte sich gut für Meyer, dass er für die zuständige, leider aber erkrankte Fachkraft seine Lebensgefährtin mitgenommen hat, diese allerdings ohne Tourismus-Kompetenz. Wie diese gemeinsame Reise abgerechnet worden ist, interessiert schon die Öffentlichkeit. Und: Müssen wirklich alle SG-Bürgermeister dorthin reisen? Man hat wieder einmal der Grünen Woche unter dem Deckmantel des Tourismus gefrönt in alternativer Wahrnehmung von Erfolgen. Gleichwohl ist in all den Jahren kein einziger Grüne-Woche-Besucher hiernach als Tourist in Hitzacker gesichtet worden. Erstmals hat auch ein EJZ-Kommentar nicht belastbare Zahlen angezweifelt.

Die Grüne Woche ist eine Landwirtschaftsmesse. Der Tourismus dagegen wird beworben auf der ITB, der führenden Fachmesse für den Tourismus. Diese Messe ist jedoch weniger dienlich für die Selbstdarstellung. Die frühere EWT allerdings war auf der ITB regelmäßig vertreten. Einmal mehr führte in Berlin die unselige ALMA Regie. Die Teilnehmer aus Hitzacker nahmen es zähneknirschend hin, gar mit ALMA-Namensschildern dem Verein huldigen zu müssen. Hitzacker hat seinen Tourismus an ALMA abgegeben und damit beerdigt. Es ist Nacht in dieser Stadt.

Manfred Stahnke, Hitzacker

^ Seitenanfang