Online: 24.02.2017 - ePaper: 25.02.2017

Horrende Betreuungssätze

Betrifft: "Landkreis erhöht Kitagebühren teils deutlich", EJZ vom 14. Februar, und Kommentar "Gegen Eltern" von Benjamin Piel, EJZ vom 18. Februar

Reich waren wir bislang nur an Kindern, vier wunderbare an der Zahl. Unserer neuen Wahlheimat, dem Landkreis Lüchow-Dannenberg, verdanken wir neben der wünschenswerten Entschleunigung nun auch einen kometenhaften Aufstieg an die gut verdienende Spitze der Gesellschaft. Klar wurde dies leider nicht angesichts unserer Kontostände, sondern nach einem Blick in die Elternbeitragsstaffel der hiesigen Kindergärten. Die zu berappenden Beträge hauten uns mit kostenlosen Kitaplätzen verwöhnte Ex-Berliner geradewegs um.

Unser Dank gilt deshalb Benjamin Piel, der uns in der Sonnabendausgabe aus dem Herzen sprach: Lieber Landkreis, Eltern sein und Kinder haben ist für viele bekanntlich das Schönste im Leben. Kinder sind aber auch unglaublich teuer und das Kindergeld bei Weitem nicht ausreichend, um die Bedarfe zu decken.

Nun sind wir nicht der Meinung, staatliche Zuwendung solle den finanziellen Aufwand aufwiegen, aber Familien für ihren Kinderreichtum mit horrenden Betreuungssätzen abzustrafen, darf auch keine Strategie sein. In unserem Fall sind wir froh, dass zwei Kinder bereits die Schule besuchen dürfen. Sonst würde das Kindergeld für alle vier nicht reichen, um eine Halbtagsbetreuung zu bezahlen. Wenn der Landkreis für Familien mit Kindern attraktiv bleiben möchte, dann sollte in der Tat überdacht werden, ob Familien mit einem Jahreseinkommen ab 60001 Euro bereits wirklich so reich sind, dass Pi mal Daumen die Hälfte eines Elterngehaltes für Kindergartenplätze drauf gehen darf. Wir wissen, das Geld können Familien sicher anderweitig gut brauchen und finden das Credo "Selbst schuld, wer arbeiten gehen möchte und die lieben Kleinen nicht zu Haus betreut" steht Lüchow-Dannenberg so gar nicht gut zu Gesicht.

Vera von Wuntsch, Dannenberg

^ Seitenanfang