Online: 03.03.2017 - ePaper: 04.03.2017

Muslime sind nicht gleich Islamisten

Betrifft: "Hetze und Drohungen gegen entstehende Moschee" (EJZ vom 18. Februar)

Als ich in der EJZ über die geplante Moschee las, habe ich mich spontan gefreut. Umso bestürzter bin ich über die vielen negativen Reaktionen im Internet. Ich bin in Berlin in einer Atmosphäre vieler Kulturen aufgewachsen. Als Kind war ich mit der Tochter des Imam befreundet, wir haben im Schatten der Minarette "Indianer" gespielt. Als junge Frau war ich mit meinem damaligen vieljährigen Partner, einem indischen Hindu, auf der Hochzeit meiner Freundin, die einen Somali geheiratet hat. Im Studentenwohnheim und auch hier habe ich viele Menschen aus aller Welt kennengelernt. Die Kontakte zu Menschen aus anderen Kulturen haben mein Leben schöner gemacht. Ich möchte das nicht vermissen.

Bekanntlich sind Vorurteile dort am stärksten, wo es die wenigsten Berührungspunkte gibt. Es wäre gut, wenn sich diejenigen, die fremden Menschen gegenüber Ablehnung empfinden, die Mühe machten, jemanden aus einer anderen Kultur kennenzulernen. Wir hier wissen wenig über den Islam. Die Urbedeutung des Wortes Islam ist Salam - Friede. Das heißt, die äußere Hingabe soll zu innerem Frieden führen. Heute wird vielfach Islam mit den Taten von Islamisten assoziiert. Es wird vergessen, dass es sich dabei um eine kleine Zahl von Extremisten handelt, der die große Masse friedlicher muslimischer Menschen gegenüber steht.

Muslime sind nicht mit Islamisten gleichzusetzen, Christen nicht mit Kreuzfahrern und Deutsche nicht mit Nazis. Jede Form des Extremismus führt zu unendlichem Leid. Dies kann nur verhindert werden, indem wir uns nicht einfachen Wahrheiten hingeben, denn das Leben ist außerordentlich komplex, sondern indem wir uns gegenseitig kennenlernen, in den andersartigen Menschen unsere Brüder und Schwestern erkennen und bereit sind, mit ihnen die Güter dieser Welt zu teilen. Ich wünsche Herrn Mouhandes und seiner Gemeinde von Herzen alles Gute.

Christa Kolakowski, Pevestorf

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