Online: 10.03.2017 - ePaper: 11.03.2017

Pflaster als Grundstein des Stadtkerns

Betrifft: Artikel "Das Pflaster spaltet" (EJZ vom 2. März)

Es ist für mich unverständlich, wie man den Charme einer historischen Altstadt anhand des Austausches von Pflastersteinen gänzlich ruinieren möchte. In einer Zeit, in der Städte, egal ob Groß- oder Kleinstädte, um ihre Einzigartigkeit buhlen, um attraktiv zu bleiben, soll es in Dannenberg einen Austausch des Pflasters geben. Gibt es nicht genügend Beispiele die zeigen, dass gerade ein altes Pflaster einer Stadt erst einen besonderen Charakter gibt?

Schauen wir uns Großstädte an, die ihre Innenstadt zu einer geraden, flachen Einkaufsmeile umbauen und am besten noch ein Shoppingcenter angliedern. Längst ist klar, dass dies nicht mehr zukunftsweisend ist. Ich wundere mich immer wieder, warum im Landkreis bauliche Maßnahmen vorgenommen werden sollen, die längst in anderen Städten als worst-practice Beispiele angesehen werden und als überholt gelten. Wurde in der Phase der Stadtsanierung/ Dorferneuerung 1985-2004 nicht genau der städtebauliche Missstand behoben, der nun wieder hergestellt werden soll? Ein Beispiel dafür wäre der Verkehr. Wurde damals beschlossen, dass eine Herausnahme des Verkehrs in der Langen Straße neben der Minderung von Immissionen, die Wohnqualität und das Einkaufen positiv beeinflussen würde und andere Städte heute nach autofreien Lösungen suchen, ist es für manch einen Dannenberger nicht bequem genug, das Pflaster mit einem Auto zu passieren. Glatte, charakterlose Straßen sollen her. Aber genau dieser Zustand wurde zuvor als städtebaulicher Missstand eingestuft, und es galt als Ziel der Ortskernerneuerung die Erhaltung und Pflege des Stadtbildes. Und meiner Meinung nach gehört ein Kopfsteinpflaster zu einer angemessen Gestaltung sowie zu dem charakteristischen Gesamtbild einer mittelalterlichen historischen Stadt. Der Austausch des Kopfsteinpflasters würde das Stadtbild negativ prägen und käme einer historischen Altstadt nicht gleich, und genau dieser Erhalt sollte angestrebt werden. Zudem soll angemerkt werden, dass im damaligen Sanierungsprogramm schon Querungshilfen eingebaut wurden, um die Passage einfacher zu gestalten.

Gerade jüngere Generationen besinnen sich vermehrt zurück und sehen Kleinstädte wie Dannenberg als einen Ausgleich zur Stadt. Vielleicht sollte daran gearbeitet werden und so dem demographischen Wandel entgegen gewirkt werden. Im Gegensatz zu baulichen Maßnahmen, die ein städtisches Eldorado für den demographischen Wandel herstellen sollen. Die Erhaltung des Kopfsteinpflasters steht im öffentlichen Interesse, und vielleicht sollte genau hier angeknüpft werden, und zwar an Methoden, wie Partizipation der Bürgerinnen und Bürger. Denn das Pflaster ist im wahrsten Sinne des Wortes der Grundstein des historischen Stadtkerns Dannenbergs, und ich hoffe, dass es genug Menschen im Landkreis gibt, die dies ebenfalls so sehen und die gegen den Austausch plädieren.

Janna Ortmanns,  Dannenberg

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