Online: 24.03.2017 - ePaper: 25.03.2017

Glaube nicht Quelle von Hass

Betrifft: Leserbrief "Glaube allzu oft eine Quelle des Hasses" von J. Fritsch (EJZ vom 18. März)

Immer mehr Bürger werden sich bewusst, dass der Mensch sich Gott geschaffen hat. Bewusst werden, also erkennen, Gewissheit erlangen, durch verlässliche objektive Bedingungen. Hier kommt der Autor an die Stelle, an der er seine Prämisse, die Nicht-Existenz Gottes, beweisen müsste. Angeführt werden geschichtliche Ereignisse. Ein Mensch betrachtet das Verhalten anderer und schließt von der Wahrheit auf das Sein. Ein Fisch betrachtet das Verhalten anderer Fische und schließt daraus, Vögel können nicht existieren. Solche oder ähnliche Versuche, Bezeichnendes und Bezeichnetes in eine Beziehung zu zwingen, obwohl sie voneinander unabhängig sind, gibt es viele. Aus dem Fehlen eines dauernden und allgemeinen Friedens auf einen Sinn im Eingreifen Gottes zu schließen, heißt nicht, dass man aus dem Fehlen des Eingreifens Gottes auf das Fehlen eines Gottes schließen kann. Der Physiker Stephen Hawking bekennt: "Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert."

So liegt die Quelle von Hass auch nicht im Glauben, sondern in Verteilungskämpfen, der Anwendung von Gewalt im Streit um Land, Macht und Ressourcen. Gewalt als Mittel der Ausbeutung, um von anderen zu bekommen, was man auf anderem Wege nicht bekommen würde. Millionäre finden sich nicht unter Suicide-Bombern. Weltreligionen wurden instrumentalisiert. Ihre Vertreter erhielten Autorität, konnten umfassend über das Leben der Bevölkerung bestimmen. Ausreichend Motivation, um als Stellvertreter Gottes mit der Anscheins-Vollmacht des Allmächtigen aufzutreten. Daher sind alle geschichtlichen Ereignisse kein Beleg dafür, dass die Prämisse wahr ist. Es lässt sich auch kein sinnvoller theoretischer Satz bilden, der die Existenz der Nächstenliebe unter Menschen bestreitet. Worauf folgt, dass es sich bei dem Sein der Liebe um keine Theorie handeln kann. Deshalb werden auch weiterhin alle Menschen, die ihren Tod sinngemäß überleben möchten, an Gott glauben und in die gute Nachricht "Christus ist auferstanden" ihre Hoffnung setzen.

↔Hans-Joachim Hurschler,

↔Ellerbek

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