Online: 31.03.2017 - ePaper: 01.04.2017

Schnelle Bahnstrecke ist auch nicht öko

Betrifft: Beschleunigung der Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg

Ein paar Dinge sollten den Befürwortern einer Intensivierung der Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg bewusst sein: Die kürzere Fahrtzeit käme eigentlich nur an den Endbahnhöfen zum Tragen. Spätestens auf Hälfte der Strecke (Neetzendorf) wäre die Zeitersparnis nicht mehr relevant, sondern dreht sich bei Schließung der Haltestellen sogar ins Gegenteil um.

Die davon Betroffenen müssten mehr Zeit und Energie in das Erreichen des dann nächsten Haltepunktes aufwenden, als die Fahrgäste der Endbahnhöfe einsparen würden. Aus einem Ranking der Zustiegszahlen an Haltepunkten deren Schließung herzuleiten, entspricht zumindest nicht meinem Demokratieverständnis. Wendet man diese Logik konsequent an, bliebe in einigen Jahren nur noch Dannenberg als Bahnhof übrig.

Die Argumente zum Erhalt der Haltestelle Leitstade treffen auch auf sämtliche anderen bedrohten Haltepunkte zu, welche alle außerhalb Lüchow-Dannenbergs liegen und die zumindest vom Effekt schnellerer Züge sowieso kaum Vorteile hätten. Es gibt auch keine obsoleten Bahnübergänge im Streckenverlauf, befragen Sie diesbezüglich ruhig einmal die Anlieger aus Jagd, Land- und Forstwirtschaft.

Ein bisher außer acht gelassener Themenkomplex betrifft negative Auswirkungen auf die Landschaft und ihre Arten: Die Beschleunigung von Bahnstrecken geht zulasten nicht nur der im unmittelbaren Umfeld vorkommenden Fauna (aber auch Flora). Die Totschlagszahlen aus dem gesamten Spektrum von Wirbellosen, Vogel- und Säugetierarten, sowohl häufigen als auch zum Teil extrem seltenen, streng geschützten, erhöhen sich schon durch Heraufsetzen der Geschwindigkeit von 60 auf 80 km/h erheblich. Einen besonderen Falleneffekt hätte dies in der Folge dann für hier vorkommende Aßfresser wie Milan oder auch Seeadler. In Schleswig-Holstein untersucht, dort zweithäufigste Todesursache für den Seeadler: Bahnstrecken. Dieses Vorhaben (dichtere Taktung, schnellere Züge) würde eine empfindliche Zerschneidung bisher weitgehend störungsarmer Lebensräume bedeuten.

Fragmentierung der Landschaft ist eine der wesentlichen Ursachen für den Rückgang von Tier- und Pflanzenarten. Solche durch Verkehrstrassen kaum belasteten Regionen mit einer derartigen Artenvielfalt wie im Umfeld dieser Strecke kann man inzwischen mit der Lupe suchen. Auch wenn es von Vorhabenträgern immer behauptet und von den Nutznießern nur allzu gerne geglaubt wird - dafür gibt es keine "Ausgleichsmaßnahmen". Unzerschnittene, störungsarme Landschaftsräume können nicht ersetzt werden. Ist eine marginal verkürzte Fahrzeit für einige dies alles wirklich wert? So sieht's aus, Freunde des Schienenweges, doof, aber wahr - Bahnstrecken beschleunigen ist auch nicht öko. Wolf Kobernuß, Neetzendorf

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