Online: 31.03.2017 - ePaper: 01.04.2017

Das Problem ist nicht der Glaube

Betrifft: Glaube, Religion, Atheismus

Wenn ich meinen Glauben ausübe, weil ich darin meinen Seelenfrieden finde, so ist das genau so richtig, wie der Nicht-Glaube eines anderen Menschen. Nicht die Form eines Glaubens oder Nichtglaubens ist das Problem, sondern die Tatsache, dass sich immer wieder Menschen über andere stellen wollen, sie diskriminieren.

Mit welchem Recht darf ich einen Andersgläubigen einen Ungläubigen nennen, nur weil er nicht die gleiche Religion ausübt wie ich? Das Problem ist nicht der Glaube, sondern, dass er als Vehikel benutzt wird, um Macht auszuüben.

Es ist immer ein Ausdruck von Hilflosigkeit, wenn andere mit Wort und Tat klein gemacht werden, um sich selbst größer erscheinen zu lassen.

Wenn ich mir anschaue, wie Menschen, die gewählt sind - eigentlich nur "primus inter pares," der/die Erste unter Gleichen, sind -, daraus aber den Anspruch ableiten, all denjenigen das Recht auf Freiheit abzusprechen, die anderer Meinung sind als er/sie, dann hat das nichts mit Religion zu tun, sondern ist Missbrauch dieser.

Jede Diffamierung ist nur ein Ausdruck dafür, andere Menschen nicht als gleichwertige Geschöpfe anzuerkennen. Nur in der Gleichberechtigung aller Menschen ist ein friedvolles gemeinschaftliches Leben wirklich möglich.

Irmgard Klau, Klein Gusborn

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