Online: 31.03.2017 - ePaper: 01.04.2017

Dual-Fluid-Reaktor: Endlager nicht nötig

Betrifft: Endlager-Suchgesetz

Berlin stellte am 23. März Weichen zur Suche nach einem Endlager. Die Wissenschaft bietet jedoch auch andere Möglichkeiten. Ein überschaubarer Zeitraum von vielleicht bis zu 300 Jahren wäre wünschenswert. Eine Anlage ohne die Gefahr einer Kernschmelze und nur so klein, dass sie gegen Terror von außen gut geschützt werden kann, so der Wunsch. Für genau solch eine Anlage gibt es ein junges Patent.

Unser Problem sind die Leichtwasserreaktoren mit Kernschmelze und hochaktiven Abfällen. Der Dual-Fluid-Reaktor nutzt die alten Abfälle aus KKWs. Ein Endlager, wie Gorleben, wird nicht mehr benötigt. Kernschmelze ist bei diesem Typ nicht möglich. Auch wenn dieser Typ bislang nicht realisiert wurde, so löst er doch erstaunliche Reaktionen aus. Kritiker aus dem Bereich Atomkraftgegner beziehungsweise Grüne auf Meinungsführerebene können sich den Bau solch einer Anlage vorstellen, sobald sie sich mit den verfügbaren Informationen auseinandergesetzt haben. Ja, es wird gerade von dort sogar angeregt, zumindest bis zum Prototyp zu gehen, um dann eine qualifizierte Entscheidung treffen zu können. Das Eine tun und das Andere nicht lassen.

Der Dual-Fluid-Reaktor (DFR) ist eine Weiterentwicklung der Flüssigsalzreaktoren. Brennstoff und Wärmeabfuhr sind in zwei Kreisläufe aufgeteilt. Der radioaktive Brennstoff (spaltbare Schwermetalle) wird als Chloridsalz eingesetzt und ist aufgrund der erzeugten Reaktionswärme im Reaktor flüssig. Erhitzt sich der Reaktor weiter über die gewünschte Betriebstemperatur hinaus, dehnt sich das flüssige Salz weiter aus, und damit wird der Abstand zwischen den radioaktiven Atomen größer, und somit sinkt die Reaktionsrate. Mit der Reaktionsrate sinkt auch die Energieproduktion, so dass eine Überhitzung nicht stattfinden kann, selbst wenn der Kreislauf für die Wärmeabfuhr keine Wärme mehr abnimmt. Der Reaktor kommt ohne Steuerung im Brennstoffkreislauf aus und ist daher inhärent sicher. Unfälle wie in der Fukushima und Tschernobyl sind durch Beachtung der Naturgesetze selbst unterbunden.

Der DFR nutzt jedes spaltbare Nuklid, und somit wesentliche Teile des in der Vergangenheit durch Druck- und Siedewasserreaktoren erzeugten Abfalls. Die Brennelemente, aus denen dieser Abfall besteht, sind nur zu drei Prozent abgebrannt und dann ausgetauscht worden. 97 Prozent Brennstoff sind noch enthalten und stellen das Endlagerproblem dar. Diese 97 Prozent können im DFR genutzt werden. Für die dann noch verbleibenden Abfälle aus dem DFR wird kein Endlager mehr benötigt. 90 Prozent der Abfälle müssen dann 100 Jahre, die verbleibenden zehn Prozent 300 Jahre gelagert werden. Das gesamte Uran, Plutonium und weitere schwerere Elemente aus dem Atommüll werden in Spaltprodukte umgewandelt.

Das ist nicht utopisch. Im Gegensatz zu zum Beispiel Fusionskraftwerken erfordert der DFR keine fundamentalen technologischen Durchbrüche. Es werden ausschließlich bereits in der Industrie etablierte Technologien und Werkstoffe eingesetzt, die lediglich leicht zu modifizieren sind.

Volker Eyssen, Salzgitter

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