Online: 12.04.2017 - ePaper: 13.04.2017

Eine privilegierte Wohnkolchose

Betrifft: "Artikel "Ein Dorf, zwei Lager" (EJZ vom 29. März)

Bei dieser Infoveranstaltung wurde der Besucher darüber informiert, dass jeder Neubürger circa 400 Euro in die Stadtkasse bringt, Räte dadurch wieder wachsen können und dass das Dorf günstigen Wohnraum schafft und hierfür keine nennenswerten Änderungen im Bebauungsplan notwendig sind.

Es ist aber auch nötig darauf zu achten, wie sich die Planungen mit den Interessen der Bewohner und zukünftigen Nachbarn vertragen. Auch ist es erlaubt zu fragen, welches Steueraufkommen durch die Investitionen generiert wird, oder welche Unterstützungen durch Hartz-4-Sozialleistungen in das Dorf fließen. Dieses Bauvorhaben wird erhebliche Auswirkungen auf die Nachbarn haben. Die Änderung des Bebauungsplanes ist ein starker Eingriff in den Bestandsschutz und die persönliche Wohnkultur der bereits in Hitzacker Süd lebenden Menschen. Die meisten dieser Bewohner haben dort mit ihren Häusern, hart arbeitend, ihr Lebenswerk verwirklicht. Nun sollen sie mit einem genossenschaftlich organisierten Öko-Wohndorf konfrontiert werden, das überwiegend von zugereisten Neubürgern bewohnt werden soll. Die Kalt-Mieten sollen dort bei 5,30 Euro bis 5,80 Euro je Quadratmeter liegen. Zusätzlich müssen Genossenschaftsanteile im Wert von 9000 Euro bis laut Internet 25000 Euro erworben werden. Durch diese Umstände entsteht in Hitzacker eine privilegierte Wohnkolchose, mit der der gebürtige Wendländer wenig am Hut hat. Gewerbesteuer wird dort nicht generiert: Freiberufler und Künstler zahlen keine.

Ärgerlich ist, dass die Initiatoren wenig dazu beitragen, potenziellen Ärger aus dem Weg zu schaffen. Aktives Informieren der Nachbarn erfolgt nicht. Haben nicht gerade die Initiatoren des Dorfes in der Vergangenheit die Atomwirtschaft zur aktiven Information aufgefordert und oft die aus ihrer Sicht unzureichende Qualität der Informationen bemängelt? Warum machen sie es nicht besser? Heute wird in Hitzacker Süd nicht besser geplant als im Jahr 2000. Damalige Bauherren glaubten in einer beruhigten Lage zu bauen. Interessen der Nachbarn und des Gewerbegebietes interessierten nicht. Hitzacker Süd wurde an einer Durchgangsstraße gebaut. Für die Genehmigung wurde dem Sarensecker Weg der Durchgangsverkehr aberkannt. Ersatzweise wurde für den Durchgangsverkehr eine nicht vorhandene Umgehung gemäß RROP herangezogen. Dann kam dort die 30 km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung, wohlgemerkt an einer Durchgangsstraße und Zufahrt zum bereits vorhandenen Gewerbegebiet. Es folgte die Biogasanlage mit dem Logistikverkehr durch das Wohngebiet. Nun soll durch die geringfüge Änderung des Bebauungsplanes laut Herrn Hesebeck vom Bauamt der Samtgemeinde Elbtalaue eine provisorische Einfahrt für circa 100 Einwohner und einer Produktionshalle genau gegenüber eines alteingesessenen Bürgers geschaffen werden, anstelle eines vorhandenen Biotops. Natürlich nur provisorisch, bis eventuell 2022, wenn alles klappt. Übrigens, laut Masterplan der Genossenschaft befindet sich genau an dieser Stelle die Haupteinfahrt.

Ralf Prahler,

Karwitz

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