Online: 12.04.2017 - ePaper: 13.04.2017

Erlaubnis zum Töten

Betrifft: Artikel "Hunde an die Leine" (EJZ vom 5. April)

Der Autor befragt zwei Jäger zum Thema, die nach eigenem Verständnis Naturschützer sind. Hunde, so die beiden Jäger, seien die größte Gefahr für den Wildtiernachwuchs. Die Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit dient in erster Linie den Jägern. Sie dürfen auch in der Brut- und Setzzeit Kaninchen, Rotwild und Füchse jagen. Die Frage ist also: Wer schützt das Wild vor den Jägern? Sie besitzen die Erlaubnis zum Töten. Wie rechtfertigen sie dieses Privileg? Ohne Jagd würden die Wildtiere überhand nehmen. Falsch, sagen Wissenschaftler. Die Jagd sei unnötig und kontraproduktiv.

340000 Jäger töten jährlich fünf Millionen Wildtiere: Hasen, Rehe, Hirsche, Wildschweine, Marder und Dachse. Dabei werden hunderttausend Katzen und mehrere tausend Hunde angeschossen oder getötet, so der Deutsche Tierschutzbund. Selbst in Naturschutzgebieten, Naturparks und Bioshärenreservaten darf gejagt werden.

In niedersächsischen Wäldern und wahrscheinlich auch anderswo werden in der Brut- und Setzzeit Bäume gefällt, sowohl in den vielen Privatwäldern, als auch in den Staatsforsten. Ein älterer Forstarbeiter erzählte mir, dass dies früher während der Brutzeit nicht üblich war, weil Vögel und Eichhörnchen ihre Nester in den Baumwipfeln bauen und Kleintiere am Boden brüten, die von umfallenden Bäumen erschlagen werden. Die Behörden wissen das und vertreten den Standpunkt, dass dies nach dem Gesetz nicht verboten sei und die Forstwirtschaft (sprich Ökonomie) in diesem Fall den Vorrang habe. Der Gesetzgeber setzt hier Prioritäten, und der Natur- und Umweltschutz bleibt auf der Strecke. Die Waldbesitzer verdienen sich eine goldene Nase, und der Hund muss an die Leine. Wie heißt es im Artikel drei des Grundgesetzes: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich." Und die Hundehalter sind die letzten Umweltschützer, per Gesetz, wegen des Leinenzwangs, den man sofort abschaffen sollte.

Karl-Heinz List,

Prezelle

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