Online: 21.04.2017 - ePaper: 22.04.2017

Vertrackter Fall von Klassenkampf?

Betrifft: Leserbrief "Eine privilegierte Wohnkolchose?" von Ralf Prahler (EJZ vom 13. April)

Nachbar Prahler - was schmeißt du mit Dreck? Und mit sperrigen Begriffen: "privilegierte Wohnkolchose". "Chose" käme erstmal nicht unsympathisch daher - eine Angelegenheit, Sache - "Wohnchose", also eine Wohn-Sache. Soweit wäre das eine etwas reduzierte Sicht auf die Idee Hitzacker/Dorf, aber entwicklungsfähig.

"Kol" steht dazwischen - ja, da fragen sich die Leser: Soll der Bezug zum Sowjetsystem hergestellt werden? Also "Kolchos", der genossenschaftlich organisierte landwirtschaftliche Großbetrieb? Könnte man auch als Ehre verstehen - die Genossenschaftsgründer/innen planen doch nur essbare Gärten - also einige Nummern bescheidener. Oder wird hier die schlechte alte Russenangst bemüht?

Dann steht da ja auch noch: privilegiert. Geht es um einen besonders vertrackten Fall von Klassenkampf? Genießt dieser dubiose genossenschaftliche, landwirtschaftliche Großwohnbetrieb nun auch noch Privilegien? Das fragt sich der Leser, aber dann erfährt er im weiteren Text vor allem, dass von der Ansiedlung keine Einnahmen zu erwarten seien - alles Künstler und Harzer und aufgabenlose Atomkraftgegner/innen - zugezogenes Volk, mit dem der gebürtige Wendländer nichts am Hut habe - hm?

Irgendwie ärgert sich da einer - über Verkehrskonzepte anscheinend auch - ein schon recht heiserer Rufer und Steuerzahler in der Hitzackeraner Wüste. Der Leser hat den Eindruck, dass jetzt die neue genossenschaftliche Nachbarin halt mal den alten Dreck an den Latz kriegt. Na ja - die Chose wird ja noch ein Weilchen gehen. Mal sehen, was sich noch unter den Hüten findet, wenn erstmal der Frust abgeblasen ist.

Hauke Stichling-Pehlke,

Hitzacker


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