Online: 28.04.2017 - ePaper: 29.04.2017

Lehrer wieder diskreditiert

Betrifft: Kommentar "Verlierer-Blues" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 15. April)

Wie können Lehrer Respektspersonen sein, wenn sie öffentlich immer wieder diskreditiert werden? Kein Berufsstand wird fortwährend anhand einzelner Beispiele so negativ über einen Kamm geschoren. Kommentare auf diesem Niveau sollten eines Chefredakteurs unwürdig sein, aber da hat man von ehemaligen Ministerpräsidenten schon ganz anderes gehört. Trotzdem - oder deswegen - kann ich das nicht so stehen lassen.

Ich bin Lehrerin und habe durch Studium, Praktika, Referendariat und mehrere Wiedereinstiege nach Elternzeiten viele Kollegien kennengelernt. Es gab in diesen Kollegien die verschiedensten Lehrerpersönlichkeiten. Aber von keiner einzigen Person würde ich behaupten, sie brenne nicht auf die eine oder andere Weise für ihren Beruf. Mir begegneten und begegnen täglich immer noch ein hohes Maß an Engagement, Motivation, Bereitschaft zu Weiterbildung und Veränderung aber vor allem Fürsorglichkeit und Hingabe zum Beruf. Unsere Bildungslandschaft ist vielfältig, die Bedingungen in den Schulen haben sich sehr verändert. Schulen arbeiten eigenverantwortlich. Grundschulen sind verlässlich geworden und haben sich zu offenen oder gebundenen Ganztagsschulen entwickelt. Die Inklusion hat überall Einzug gehalten mit all ihren Herausforderungen. Lehrer sind es gewohnt, dass sich mit jedem Regierungswechsel die Rahmenbedingungen ändern, Konzepte neu geschrieben und überarbeitet werden müssen (wir arbeiten ständig an Konzepten, Herr Feuerriegel) oder auch alles wieder zurückgenommen wird, das gerade mit viel Mühe auf die Beine gestellt wurde (siehe G8/G9). Wir tragen und ertragen vieles mit Professionalität, Flexibilität und Herzblut. Was ich aber nicht mehr ertragen möchte und kann, sind derart unverschämte Unterstellungen, die den gesellschaftlichen Rufmord eines gesamten Berufsstands unterstützen.

↔Kristin Burmester,↔Hitzacker

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