Online: 19.05.2017 - ePaper: 20.05.2017

Weit von inklusivem Blick entfernt

Betrifft: Artikel über die Zirkusshow der Wendlandschule (EJZ vom 8. Mai)

Wie schade - mit einem Satz im letzten Absatz des Artikels wird die Leistung der Schülerinnen und Schüler kleingemacht und belächelt. Natürlich sind die "Übungen recht einfach gehalten". Alle, die dabei waren, spürten aber, dass dies nur aus der Sicht derjenigen so ist, die Spektakuläres à la Zirkusfestival in Monaco erwarten.

Für diejenigen Zuschauer, die die Schülerinnen und Schüler kennen, und auch für diejenigen, die Menschen mit Behinderung im Alltag kennen, war deutlich zu sehen: Es ist eine spektakuläre Leistung, mit Bein-Orthesen und Bewegungsproblemen drei Sprossen einer freistehenden und von anderen Schülern gehaltenen Leiter hochzuklettern ohne Sicherung. Oder als Mensch mit großen Problemen in der Konzentration und Denkleistung selbstständig im geforderten Moment eine Kerze anzuzünden.

Herr Beye schreibt von der Begeisterung des Publikums, von dem Stolz, der überall zu spüren ist, sowohl bei den Artisten als auch bei den Zuschauern. Das ist es, was stehen bleiben sollte. Leistung und Leistungsvermögen sind individuell ganz unterschiedlich, für Geleistetes gefeiert zu werden und selbst stolz darauf zu sein ist für jeden Menschen ein Lebenselixier. Der Kommentar von Herrn Beye verdeutlicht, dass wir noch weit von einem inklusiven Blick entfernt sind. Denn der Maßstab ist immer noch das Leistungsvermögen von Menschen mit großen Fähigkeiten in der Bewegung und im Denken. Daran wollen wir uns nicht messen lassen, sondern an dem, was wir individuell uns trauen, trainieren und präsentieren.

Für uns in der Wendlandschule gab es in der gesamten Woche immer wieder Gänsehauterlebnisse mit dem, was Einzelne geleistet haben.

Martina König, Schulleitung der Wendlandschule Dannenberg

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