Online: 19.05.2017 - ePaper: 20.05.2017

Bürgernähe im Kreishaus

Betrifft: Scheitern beim Ansinnen, ehrenamtlich zu arbeiten

Bürgernähe ist nicht nur ein Wort. Bürgernähe sollte Auftrag, Verpflichtung und Antriebsfeder einer Verwaltung sein. In Lüchows Kreishaus dürfte sich das allerdings noch nicht überall herumgesprochen haben. Hier habe ich mich vor einiger Zeit auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit im Landkreis gemeldet und darum gebeten, dass man mir geeignete Vorschläge unterbreiten möge. Die Dame hinter dem Schalter ließ mich zunächst wegen eines Privatgesprächs fünf Minuten warten. Danach erklärte sie mir, dass die zuständige Sachbearbeiterin nicht im Hause sei, sie wolle aber gerne mein Anliegen aufnehmen und weiterleiten.

Da ich nach vier Wochen immer noch keine Informationen erhalten hatte, meldete ich mich erneut im Kreishaus mit meinem Anliegen. Dort wurde mir wieder erklärt, dass die zuständige Sachbearbeiterin zurzeit nicht an ihrem Platz zu erreichen sei. Es wurden erneut meine Daten aufgenommen mit dem Hinweis, dass ich in naher Zukunft von der zuständigen Dame Vorschläge für eine mögliche ehrenamtliche Tätigkeit erhalten werde. Inzwischen sind wieder vier Wochen vergangen, ohne dass die zuständige Dame versucht hätte, mit mir Kontakt aufzunehmen.

Früher habe ich einmal geglaubt, dass es der Wunsch einer Verwaltung sein müsste, möglichst viele Bürger für Ehrenämter zu gewinnen. Schließlich erledigen die freiwilligen Helfer wichtige Aufgaben zum Nulltarif. Die Gewinnung und Organisation von ehrenamtlichen Helfern kann aber nur durch Engagement und/oder organisatorisches Talent erreicht werden. Ein bloßes Hinhalten - wie in meinem Fall geschehen - hilft hier nicht weiter. Die Damen im Kreishaus, die mit meiner Angelegenheit konfrontiert waren, scheinen noch nicht erkannt zu haben, dass die Arbeit in einer guten Verwaltung von dem Dienstleistungsgedanken getragen werden muss. Hierbei ist der Bürger kein Bittsteller, sondern Auftraggeber, der die Mitarbeitenden der Verwaltung für ihre geleistete Arbeit letzten Endes bezahlt. Erst wenn die betroffenen Damen im Kreishaus das verinnerlicht haben, ist Bürgernähe nicht nur ein Wort.

Peter Schlett, Lüchow


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