Online: 26.05.2017 - ePaper: 27.05.2017

Plattheiten vom Kreislandwirt

Betrifft: Artikel "Weniger Vögel, viele Probleme" (EJZ vom 12. Mai)

So, so, da hat also der Kreislandwirt Tebel, als er in freier Natur mal seinen Trecker abgestellt hat, ein paar Vögel gesehen und womöglich sogar piepen hören, woraus er messerscharf geschlossen hat, dass Vögel in ausreichendem Maß vorhanden sind. Auch seine weitergehenden Argumente sind sehr beeindruckend, weil sie kaum welche sind. Zeigt er doch mit dem Finger auf Bereiche, die gerade im Wendland schlicht und ergreifend kaum zum Tragen kommen.

Ich frage mich, warum dieser bäuerliche Berufsvertreter nicht die Gelegenheit ergreift, auf das grundsätzliche Dilemma der modernen Landwirtschaft hinzuweisen. Das besteht nämlich darin, dass Bauern zerrieben werden von einerseits meistenteils berechtigten Forderungen von Natur- Umwelt- und Tierschutz und andererseits dem Geschäftsgebaren von Konzernen der Lebensmittelindustrie und des Handels, den Konzernen des agrochemischen Komplexes und neuerdings auch der Finanzhaie, die landwirtschaftliche Flächen als Investment betrachten und die Preise für Pacht und Kauf in astronomische Höhen treiben, und schließlich auch den Unwägbarkeiten der nationalen und internationalen Agrarpolitik.

Zwischen diesen beschriebenen Blöcken sind Bauern eingekeilt und haben kaum Spielraum, eine naturverträgliche Landwirtschaft zu betreiben, was ein Teil von ihnen bei entsprechenden Rahmenbedingungen sicher gerne tun würde. Das bringt sie oft in ökonomische und mentale Existenznöte. Darauf hätte der Berufsvertreter hinweisen können, anstatt mit ignoranten Plattheiten an die Öffentlichkeit zu treten. Mit diesen hat er der Sache, aber auch seinem Berufsstand einen Bärendienst erwiesen - schade eigentlich.

↔Wolfgang Eisenberg,

↔Bösen

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