Online: 26.05.2017 - ePaper: 27.05.2017

Symbol gegen Atomkraft oder für Profitgier?

Betrifft: Artikel "Langer Atem, viel Kritik" (EJZ vom 18. Mai)

Ein Argument, das die Windkraft-Lobby nicht wahrhaben will: Nicht die Energiewende an sich, aber diese Energiewende ist heute schon kläglich gescheitert. Warum? Die parteigrüne "Umweltpolitik", die längst keine ‚grüne' mehr ist, bedient letztlich nur den maßlosen Energiehunger und stützt damit ein Wirtschaftssystem, dessen verheerender Wachstumswahn in der Kritik steht. Trotz des enormen Zuwachses an Windkraftanlagen (WKA) in Deutschland verzeichnen die Messungen der CO2-Emmissionen nur ein einziges Mal eine relevante Senkung, nämlich 2009 als Reaktion auf die Finanzkrise. Da erfuhr die Hemmungslosigkeit des Systems mal kurz einen Dämpfer.

Der Skandal ist: Die Windkraft spielt bei der CO2-Reduktion objektiv so gut wie keine Rolle: "Zusammen erreichen die Erneuerbaren derzeit gut 12 Prozent. Demnach ist es in den vergangenen 15 Jahren mit viel Aufwand gelungen, die Windenergie von 0,2 % auf 2,4% des gesamten Energieverbrauchs auszubauen [...]" (Etscheit [Hrg] 2016: Geopferte Landschaften [Heyne], S. 43 ff).

In der Regel langweilen solche abstrakten Zahlenreihen. Diese aber nicht, denn sie entlarven das skandalöse Treiben der Lobby, die ihr eigentliches Anliegen, das ganz große Geld, vernebelt. Daher noch diese Wahrheit: "Die Windenergie deckt 14 Prozent des Stromverbrauchs, und der Stromverbrauch wiederum beträgt 17,5 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und 14 Prozent von 17,5 Prozent ergeben den genannten 2,4-Prozentanteil der Windenergie an der Gesamt-energie" (am anderen Ort, S. 45) - und das bei jetzt mehr als 28000 Anlagen.

Und jetzt kommt’s: "Würden wir im Verkehr nur acht Prozent an Energie sparen, entspräche das dem gesamten Output der Windenergie" (Nico Paech). Wir hätten keine zerstörten Landschaften und keine beschädigte Natur zu beklagen. Dafür aber sorgen unter anderem 112 Millionen Flug-"Gäste" pro Jahr allein auf deutschen Airports, die ihren ‚mobilen' Beitrag zur Erderwärmung leisten.

Jene, die im Wald bei Gorleben eine weitere scheußliche Industrieanlage mitsamt ihrer ökologischen Wirkungslosigkeit und ihren prekären Folgeproblemen entstehen lassen wollen, schwärmen von einem Symbol gegen die Atomanlagen. Das Sinnbild gegen "Gorleben" ist und bleibt jedoch das Gelbe X. Windanlagen hingegen sind mittlerweile zu einem Symbol für die Profitgier geworden.

Ein nachhaltiges Symbol wäre es allerdings, wenn hier heute schon ein naturnaher Wald aufgebaut würde, einer, der nach den Kriterien der langfristigen ökologischen Wald-Entwicklung entstünde, ein Wald, der künftig - aus "symbolischen" Gründen - unberührbar bliebe. War nicht der "Löwe" letztlich das rühm-liche Markenzeichen der Gartower Forstwirtschaft, das Geschichte zu schreiben verdiente? 16 220 Meter hohe Monster in der geopferten Landschaft um Trebel würden wahrlich kein Ruhmesblatt in der Historie sein.

↔Dr. Thomas Krauß,

↔ Schnackenburg

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