Online: 26.05.2017 - ePaper: 27.05.2017

Weniger Insekten, weniger Vögel

Betrifft: Artikel "Weniger Vögel, viele Probleme" (EJZ vom 12. Mai)

Der Artenschwund vieler Vogelarten in Deutschland (und auch in anderen Ländern) ist enorm, und viele der Ursachen sind seit Jahren bekannt. Leider können wir die eher pessimistische Einschätzung von Herrn Siems-Wedhorn, Geschäftsführer der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft Lüchow-Dannenberg, nur bestätigen. Auch in unserem direkten Umfeld sehen wir, wie im Laufe der Jahre immer größere zusammenhängende Ackerflächen entstanden sind, die in Form von Monokulturen bestellt werden. Kartoffeln und Mais, wohin das Auge sieht. Feldgrößen, wie man sie früher nur von den LPGs in der DDR kannte. Grünflächen wurden umgepflügt, Hecken sind verschwunden, Randstreifen werden Furche um Furche schmaler, und durch den großräumigen Einsatz von Herbiziden wachsen auf den jämmerlichen Randstreifen, abgesehen von Löwenzahn, kaum noch Blühpflanzen. Ergebnis: von Jahr zu Jahr weniger Lebensraum für artenreiche Wildkräuter, Insekte und, Vögel. Zusätzlich vernichtet der Einsatz von Insektiziden bestimmungsgemäß jede Menge Insekten; also die Nahrungsgrundlage diverser Vögel und anderer Insektenfresser.

Von diesen verheerenden Auswirkungen auf die Natur abgesehen, liegt zurzeit wieder der äußerst unangenehme Geruch der im konventionellen Kartoffelanbau eingesetzten Herbizidkombination Sencor/Boxer in der Luft. Bei Boxer handelt es um ein sogenanntes Bodenherbizid, das heißt, es bleibt für längere Zeit an der Oberfläche und wird bei Feuchtigkeit immer wieder freigesetzt. Zudem besteht das Problem, dass diese Mischung einen hohen Dampfdruck hat und daher stark verdunstet. Das erklärt, warum der Gestank so lange anhält - bis zu 14 Tagen - und abends und nachts besonders intensiv auftritt.

Sollen wir wirklich glauben, dass diese Chemikalien, die laut Gefahrenstoffverordnung unter anderem als "gesundheitsschädlich beim Verschlucken" und "sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung" deklariert sind, völlig harmlos für die Gesundheit von Mensch und Tier sind, wenn sie nur entsprechend verdünnt werden?

Unseres Erachtens kann sich jemand wie der zitierte Kreislandwirt Tebel bei den nachfolgenden Generationen mit der Position "Wir waren nicht vollkommen schuldlos", sprich, die wesentliche Verantwortung liegt bei anderen, nur noch lächerlich machen. Die Gründe für das Vogelsterben sind hinreichend bekannt, und die "konventionelle" Landwirtschaft täte gut daran, endlich ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen daraus zu ziehen.

↔Silvia Meurer,

↔Detlef Kober,

↔Riebrau

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