Online: 26.05.2017 - ePaper: 27.05.2017

Missstände der Landwirtschaft

Betrifft: Arikel "Dialog und Transparenz" (EJZ vom 19. Mai)

Warum beschäftigt es immer mehr Menschen, was in der Landwirtschaft geschieht? Der hauptsächliche Grund bleibt in dem genannten EJZ-Artikel unerwähnt. Noch vor 20 Jahren konnte man dem Werbespruch "Landwirtschaft dient allen!" unbedenklich zustimmen. Heute hat sich die Wahrnehmung völlig gewandelt, und es müsste nun heißen "Landwirtschaft bedroht alle!" Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht in den Medien, (auch in der EJZ vom 19. Mai), auf Missstände und Katastrophen hingewiesen wird, die von der modernen Landwirtschaft verursacht wurden.

Eine kleine Auswahl: "Gefährliche Keime in der Gülle", "Zu viel Nitrat im Grundwasser", "Bienensterben", "Artenschwund bei Vögeln bis zu 80 %", "Antibiotika in Nahrungsmitteln", "Wegrandstreifen abgepflügt", "Glyphosat ist krebsverdächtig".

Die harten Tatsachen, die hinter solchen Meldungen stehen, lassen sich nicht durch nett aufgemachte PR-Maßnahmen wie die Zeitungsbeilage "Steckrübe" aus der Welt schaffen. Und auch die für den 2. Juli angekündigte "Tour de Flur" kann die Probleme nicht übertünchen.

Immerhin: Das Angebot des Bauernverbands von "Dialog und Transparenz" ist löblich. Die Teilnehmer der Hofbesichtigungen sollten die Ernsthaftigkeit des Angebots prüfen, indem sie sachliche Fragen stellen wie beispielsweise: Wie hältst du es mit Glyphosat? Was tust du für die Artenvielfalt? Kommt auf deinen Acker Kot aus Massentierhaltung mit multiresistenten Keimen und Antibiotikarückständen? Was hältst du vom Schnabelkürzen bei Hühnern und (betäubungsloser) Kastration und Schwanzamputation bei Schweinen?

Der kritische Frager muss sich aber darauf gefasst machen, dass man ihn mit folgender Feststellung abspeist: "Wir halten uns in allem an die gesetzlichen Vorgaben, und ein paar schwarze Schafe gibt es schließlich überall."

Wie auch immer: Der Bauernverband hat es in der Hand, ob er es bei vordergründiger Akzeptanzwerbung belässt, oder ob er Schritt für Schritt zu einer ökologischen Landwirtschaft zurückfindet.

↔Johann E. P. Strauß, Leisten

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