Online: 17.07.2017 - ePaper: 18.07.2017

Ergebnis gelebter Demokratie

Betrifft: "Für Repowering" (EJZ vom 1. Juli)

Wenn es um die Windkraftanlage im Wald bei Trebel geht, ist es auch mein Interesse, dass die Kirche im Dorf bleibt. Selbst gebastelte Sachverhalte, die dem eigenen Interesse dienen, und ein erhobener Zeigefinger tragen nicht dazu bei, diesen Konflikt mit Sorgfalt zu führen sowie eine lustvolle Streitkultur zu aktivieren. Deswegen bin ich sehr verwundert darüber, wer sich alles von den Goldgräber-Visionen mit Windkraft im Trebeler Wald anstecken lässt und dies alles ohne Rücksicht auf Mensch, Tier und Natur. Die Schlange derer, die gern zwei Stück Spargel aus der wendländischen Hochzeitssuppe raus löffeln wollen, wird jedes Mal beim Lesen der EJZ länger.

Dies stößt bei mir auf völliges Unverständnis, da unsere Landesregierung in Hannover und unsere demokratisch gewählten Abgeordneten im Kreistag eindeutig den Wald als Standort für Windräder in dem jeweiligen Raumordnungsprogramm ablehnen. Neue Standorte sind in unserer Republik Mangelware geworden, auch deshalb wird Niedersachsen von dem Konzern Enercon in seinem Newsletter gedrängt, diese Position noch einmal zu überdenken. Mittlerweile sind fast 700 Bürgerinitiativen vom Hohen-Odenwald bis Rügen gelistet. Die überwiegende Mehrheit dieser Bürgerinnen und Bürger wollen die Schönheit ihrer Heimat genauso erleben wie eine bezaubernde Landschaft im Urlaub.

Da ich so neugierig bin, wollte ich wissen, was Repowering von Windrädern heißt und bedeutet. Erst beim wiederholten Lesen der 51 Seiten des Landesraumordnungsprogramms Niedersachsen bin ich unter dem Punkt 4.2 Energie fündig geworden. Also ich verstehe dies so. Ich kaufe mir nach 20 Jahren ein neues Auto, das dreimal so groß und zehnmal mehr PS hat. (Zum Glück werden solche Autos nicht von der Allgemeinheit wie beispielsweise von der Bäckereifachverkäuferin mit Subventionen finanziert.) Zu meinem Ärgernis passt mein neues Auto nicht mehr in die Parklücke vor der Post in Lüchow. Ich muss jetzt akzeptieren, dass für die zuständige Planungsbehörde keine Verpflichtung besteht, mir einen größeren Parkplatz an einer anderen Stelle auszuweisen. Auf dem Bürgersteig darf ich auch nicht parken, weil dieser genauso wie der dorfnahe Trebeler Wald eine notwendige Schutzfläche ist und ihre Bedeutung nicht zerstört werden darf. Damit der Bürgersteig nicht zugeparkt wird, sind Poller eingebaut worden. Damit im Trebeler Wald keine Windindustrieanlage entsteht, wurde das im LROP und im RROP so festgeschrieben.

Unsere Wälder sind viel, viel mehr als nur zehntausend Raummeter Holz. Der Trebeler Wald ist besonders für die einheimische Artenvielfalt und für die Lebensqualität der in Nachbarschaft lebenden Bewohner und Gäste von hohem Wert. Aus diesem Grund ist es auch kein Stolpern, wenn Befürworter von Windrädern im Trebeler Wald ihre Meinung ändern, sondern das Ergebnis gelebter Demokratie.

Adelheid Danielowski, Gedelitz

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