Online: 17.07.2017 - ePaper: 18.07.2017

Schaumschlägerei

Betrifft: Artikel "Für Repowering" (EJZ vom 1. Juli)

Von Windkraft-Repowering mag Dieter Schaarschmidt ja etwas verstehen. Von Naturbeobachtung hat er jedenfalls keine Ahnung. Sonst hätte er uns diesen Schwindel nicht aufgetischt: Unter den Windanlagen auf dem Jeetzeler Berg seien "Biotope entstanden, in denen Nachtigall, Rebhuhn und Feldlerche heimisch werden konnten." Ich habe in den vergangenen 20 Jahren auf dem Jeetzeler Berg in dem Gebüsch unter den Windmühlen, das er Biotop nennt, noch nie eine Nachtigall schlagen hören. Und Rebhuhn und Feldlerche halten sich ohnehin nicht im Gebüsch auf, sondern auf dem freien Feld, wo sie allerdings bei sonnigem Wetter dem Schattenschlag der Windräder ausgesetzt sind.

Der Bestand an Feldlerchen ist im Übrigen auch auf dem Jeetzeler Berg dramatisch zurückgegangen, und Rebhühner gibt es seit Jahrzehnten nur noch vereinzelt in der Feldmark. Wo aber finden wir in der Landschaft die Musterbeispiele für "Bürgernähe und naturschutzverträgliche Planung", nämlich die "Hunderte von Obstbäumen, alles alte Sorten, die damals gepflanzt wurden"? Es wurden lediglich in vorhandenen Anpflanzungen alte verkümmerte Bäume ersetzt und Lücken gefüllt. Neupflanzungen konnte ich mit meinen zehn Fingern und der entsprechenden Anzahl von Zehen zählen.

Mit Schaumschlägerei hilft man weder dem Naturschutz noch der nachhaltigen Energieversorgung. Im Übrigen: Das müsste selbst ein Dieter Schaarschmidt wissen: Wo sich der Mensch mit seiner Technik breit macht, muss die Natur weichen. Das gilt auch für Windkraftanlagen, sowohl auf dem Jeetzeler Berg wie im Gartower Forst.

Horst Kühn, Jeetzel

^ Seitenanfang