Online: 17.07.2017 - ePaper: 18.07.2017

Recherchieren statt kommentieren

Betrifft: Kommentar "Ganz bestellt - halb bezahlt" von Benjamin Piel (EJZ vom 1. Juli)

Benjamin Piels Kommentar zur hauptamtlich in Teilzeit bestellten Gleichstellungsbeauftragten ist - mit Verlaub gesagt - unter seinem Niveau. Zumindest hatte er sich anlässlich einer Diskussion bei einem Diversity workshop in Hitzacker (dabei ging es um Berichterstattung über Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund) als jemand dargestellt, der weiß, wie wichtig es ist, bei sensiblen Themen auch eine sensible Sprache zu wählen, um nicht Vorurteilen und Vorverurteilungen weiter Vorschub zu leisten oder Menschen beziehungsweise Menschengruppen einfach abzubügeln.

Doch mit der respektlosen Art und Weise, mit der er sich in seinem Kommentar dem Thema Gleichstellung und der Person der Gleichstellungsbeauftragten zu nähern versucht, tut er genau das: Personen und Inhalte abbügeln, um schnell zum Hauptthema, nämlich der Finanzierung zu kommen. Man kann darüber sicher diskutieren und unterschiedlicher Meinung sein, wie gerecht es ist, dass das Land der Samtgemeinde Kosten aufzwingt und dadurch möglicherweise deren finanzielle Kapazitäten übersteigt - und zwar auf einer sachlich fundierten Ebene und nicht mit dem Unterton, wie unnötig diese Ausgabe möglicherweise ohnehin sei.

Der Frage, was eine Gleichstellungsbeauftragte 19,5 Wochenstunden tut und ob es die Zielgruppe, die er lapidar aufzählt, überhaupt wert sei, könnte gerade er als Journalist sich auch anders nähern: Recherchieren, oder mit Frau Holst selbst, die diese Stelle antreten wird, darüber reden, womit sie ihre Zeit füllen will. Oder bei den Beratungsstellen und dem Frauenhaus in Lüchow nachfragen, wo engagierte Frauen seit Jahrzehnten mit diesem Thema vertraut sind und schließlich mit den Betroffenen selbst reden, statt über sie - als eine über einen Kamm zu scherende Zielgruppe in einem in Klammer gesetzten Nebensatz ­- zu schreiben.

In Deutschland ist jede dritte Frau in ihrem Leben von Partnergewalt betroffen. Die Bezahlung zwischen Mann und Frau ist immer noch ungleich. Alleinerziehende leben mit ihren Kindern an der Armutsgrenze. Flüchtlinge sollen in von Terror, Krieg und Krisen betroffene Länder zurückgeschickt werden. Der Integration von Flüchtlingen wird mit immer neuen Gesetzen entgegengewirkt. Menschen mit Beeinträchtigung, insbesondere Frauen, sind in hohem Maß von direkter und struktureller Gewalt betroffen.

Judith Christner und Ortrud Glowatzki, Mädchen- und Frauenberatungsstelle, Lüchow

^ Seitenanfang