Online: 21.07.2017 - ePaper: 22.07.2017

Kein Erfolg ist auch ein Erfolg

Betrifft: "Wen interessiert's", Kommentar von Benjamin Piel (EJZ vom 17. Juni)

Mit seinem kritischen Kommentar zum gefloppten Konzert in Schreyahn bewegt sich Benjamin Piel auf schwierigem Terrain. Die Kulturförderung in Deutschland will die Quote (=Wirtschaftlichkeit) nicht allein entscheiden lassen. Aber wer entscheidet dann? Was ist unverstandene Kunst, die bedeutend ist, was ist selbstverliebte Spinnerei? Die Entscheidung wird meist von Kommissionen/Juroren - hochkarätig besetzt - getroffen. Hochkarätig heißt aber auch, dass viele Entscheider einem quotenverachtenden Kulturgenre angehören. Für die klassischen Komponisten gab es keine Kulturförderung der heutigen Art. Einige hatten gutbetuchte Mäzene aus Adel und Kirche, andere verkauften ihre Werke an Verleger. Diese hofften auf Profit durch Notenverkauf und zahlendes Publikum.

Ein marktwirtschaftliches Geschäftsmodell, das immer noch funktioniert. Siehe Ludovico Einaudi, David Garrett & Co. Diese Musiker sind ganz normal klassisch ausgebildet. Aber sie machen Musik für ein breites Publikum, sie werden verstanden. Sie rühren ihre Zuhörer zu Tränen und entführen sie in eine schöne Welt. Verraten sie damit die Kunst? Mitnichten. Adorno möge sich im Grabe umdrehen, kann es sich doch nur um Manipulation mit billigsten musikalischen Mitteln handeln. Darum kann man es auch als Erfolg empfinden, wenn man keinen hat. Man ist eben auf einer höheren Stufe, von der man herabblicken kann.

↔Friedrich Grossnick,

↔Schnega

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