Online: 24.07.2017 - ePaper: 25.07.2017

Ein Traum über den G20-Gipfel

Betrifft: G20-Gipfel in Hamburg

Nach den schrecklichen Bildern im Fernsehen und dem Artikel "Entsetzen über maßlose Zerstörungswut" in der EJZ vom 10. Juli hatte ich einen merkwürdigen Traum. Normalerweise vergisst man so was ja schnell wieder, aber wie auch Adorno einige seiner Träume für wichtig genug hielt, möchte ich auch meinen kurz protokollieren:

Ein Berater von Frau Merkel rief mich an, sie hätten so Einiges von mir gehört, und die Kanzlerin möchte für den G20-Gipfel auf meine positiven Ratschläge als einfacher Bürger aus dem Volk nicht verzichten. Ich wollte das eigentlich überhaupt nicht, aber man überredete mich freundlich mit lauter Versprechungen, und so willigte ich schließlich ein. Wir saßen dann alle zusammen am Kamin, und ich sagte, die Politiker seien längst für den normalen Bürger uninteressant, kaum ein erkennbarer Unterschied, in den Wahlwerbungen nur langweilige Reden und Plakate. Der Bürger will sehen, dass sich etwas bewegt, nicht nur schöne Bilder im Fernsehen. Alle stimmten zu, wollten nun aber endlich hören, wie die Kanzlerin mit dem G20-Gipfel im Volk richtig gut punkten könnte. Ich wollte das alles nicht, aber weil ich nun schon mal da saß und auch alle so freundlich zu mir waren, packte ich meine etwas waghalsige Idee aus.

Und das wäre, aus den Fehlern anderer einen Vorteil für sich zu schaffen. Und wenn man keine findet, sie dazu zu verleiten. Hamburg würde sich als Ort für solch eine Superschau geradezu anbieten - man könnte gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Herr Altmaier fand die Idee nicht gut, weil doch gerade in Hamburg mit großen Demonstrationen zu rechnen sei. Aber ich beruhigte ihn, dass das doch gut sei, denn wenn es Straßenkämpfe gebe, könnte man nicht nur den Demonstranten mal ordentlich zeigen, wo der Knüppel hängt, sondern bei der Gelegenheit auch gleich der SPD und den Grünen Unfähigkeit vorhalten. Das Fernsehen würde das Ganze gut mit passenden Bildern unterfüttern, und Herr Altmaier könnte ja hinterher Bürgermeister Scholz die Unschuld an dem bedauernswerten Desaster attestieren. Darüber mussten die anderen sehr lachen, fanden die Idee aber interessant und bedankten sich bei mir. Sie wollten mal darüber im kleinen Kreis nachdenken. Ich habe meinen Traum gleich nach dem Erwachen niedergeschrieben, denke aber, es war nicht alles Futzelklamauk.↔Christoph Lang, Loge

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