Online: 24.07.2017 - ePaper: 25.07.2017

Friedliche Demos unerwünscht?

Betrifft: Demonstrationen gegen G20-Gipfel

Am 8. Juli fand in Hamburg eine friedliche Großdemonstration mit etwa 75000 Teilnehmern statt unter dem Titel "Grenzenlose Solidarität statt G20". Das muss ich extra mitteilen, denn in der folgenden EJZ beziehungsweise dem Niedersächsischem Tageblatt wurde sie mit keinem Wort erwähnt. In anderen Zeitungen war es auch kaum besser.

Dagegen wurde jede Dummheit von Krawallbrüdern, bei denen man nicht mal erkennen konnte, ob sie von links, von rechts oder vom Fussball kommen, seitenlang breitgetreten. Dieselben, die immer forderten, man solle doch bitte friedlich demonstrieren, strafen nun diejenigen mit Ignoranz, die sich daran halten. Was ist das für eine Verlogenheit?

Egal, ob es um Präsidenten oder Randalierer geht, je idiotischer sich jemand verhält, umso mehr Beachtung und Aufmerksamkeit bekommt er von unseren Medien. Kritisches über Zustände, Zusammenhänge, Probleme und Lösungsansätze, das es auf der Großdemo reichlich gab, ist dagegen wohl unerwünscht. Wenn jemand inhaltlich etwas zu sagen hat, ist das nicht der Erwähnung wert.

Berichterstattung ist zur Unterhaltung verkommen. Action und Tragikomödie auf allen Kanälen, ob Film oder real, die Zuschauer und Leser wollen das so. Sie brauchen etwas, worüber sie sich maßlos aufregen können. Das ist das Erfolgsrezept der Bild-Zeitung, und die anderen Medien folgen ihr.

Ich kann nur zu dem Schluss kommen, dass die Randale gewünscht war. Von den Herrschaften selbst, um ihre Kritiker verteufeln zu können. Von der Polizeiführung, um schärfere Gesetze, mehr Personal und mehr Ausrüstung zu bekommen und die dafür keine Gelegenheit zur Eskalation ausließ. Von den Medien, um drastische Bilder liefern zu können. Und nicht zuletzt von den Zuschauern und Lesern, denen ihr normales Leben zu langweilig ist.

↔Jobst Quis, Molden

^ Seitenanfang