Online: 28.07.2017 - ePaper: 29.07.2017

Alles richtig gemacht?

Betrifft: Berichterstattung über den G20-Gipfel

"Alles richtig gemacht!" So erwartungsgemäß der einstimmige Chor aus Politik und Polizei rückblickend auf G20. Schaut man auf Schäden in Hamburg, kann das nicht stimmen. Was dort passierte, passiert dann, wenn zwei konkurrierende Seiten die Kontrolle über sich, über die Situation und das Ziel aus den Augen verlieren. Da genügend Einseitiges, Tatsächliches und Unwahres über "The Hell" berichtet wurde, hier eine weitere Variante: Donnerstag, Fischmarkt, Auftaktveranstaltung zur "Welcome to hell"-Demo. Festivalstimmung. Familienfreundlich. Eltern mit Kindern sind vor Ort. Etwa 10000 bis 12000 Menschen genießen Sonne und Musik. Einfach große Party. Relaxte Stimmung. Dezent anwesende Polizisten am Rande ebenso. Beidseitig keine Provokation. Keine Gewalt. Gegen 19 Uhr endet das Fest, und die Menschen stellen sich zur Demo auf - zwischen Häuserzeilen und hoher Hochwasserschutzmauer, was bei dieser Menschenmasse eine schon alarmierende Enge bedeutet. Wir stehen auf der Mauer, wegen besserer Übersicht. Mittendrin ein Musikwagen, der Platz benötigt und für Hintere die Sicht nach vorne versperrt. An der Demospitze, die noch gar nicht in Bewegung ist, hat Polizei mit Wasserwerfern bereits der grundrechtsgeschützten, genehmigten Demo den Weg versperrt. Von hinten drängen Menschen nach, lassen die Enge zwischen Häusern und Mauer enger werden. Eine Art Sackgasse, in die immer mehr Menschen strömen. Sonne. Es ist sehr heiß. Obwohl nun schon fast unerträglich eng, ist alles friedlich, entspannt. Ja, auch der "Schwarze Block", rund 1000 bis 1500 Menschen. Ansonsten buntes Völkchen.

Hier, wie alle Tage danach, ist weit und breit nix von 8000 gewaltbereiten Vermummten zu sehen, von denen Geheimdienste, Politik, Polizei und Medien schon Tage vorher aber genau zu berichten wissen. (Darf man das Lügen nennen, verehrte Presse?)

Plötzlich, absolut grundlos, stürmt Polizei massiv und brutal in die Masse, die nun versucht, nach vorn und hinten auszuweichen. Zwecklos, es ist zu eng und wird nun ganz eng. Panik und Chaos brechen aus. Wegen der lauten Schreie drücken von hinten nun noch mehr nach vorn, wohl um zu sehen, was los ist. Etliche versuchen, sich über die Mauer zu retten. Andere stürzen hin. Noch mehr Geschrei. Ich denke an Duisburg: Love-Parade. Doch auch jetzt keine Gewalt aus dem "Black Block". In diesem Chaos versucht die Polizei, gemäß des Freund und Helfersyndroms, deren Transparente zu zerstören, anstatt deeskalierend Leben zu schützen. Die Demo wird jetzt brutal zerschlagen, obwohl es dafür keinen Anlass gab. So stiftet man Krawall, wenn man Krawall will. Danach begann dieser wie "vorhergesagt". Marcel Kuhlmey, Professor und ehemaliger Polizist: Die Polizei geht in Demos rein, um zu provozieren. Was wohl? We didn't start the fire (Billy Joel). Alles richtig gemacht?

↔Bodo Arndt, Gühlitz

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