Online: 08.08.2017 - ePaper: 09.08.2017

Für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen

Betrifft: Diskussion über Verlust der biologischen Vielfalt

"Die biologische Vielfalt ist eine existentielle Grundlage für das menschliche Leben. Sie zählt neben dem Klimawandel zu den großen Herausforderungen unserer Zeit", so die Aussage des Umweltbundesamtes. Doch der Verlust der biologischen Vielfalt wird immer bedrohlicher: In Deutschland gibt es heute 80 Prozent weniger Insekten als 1982. Fast 3000 Insektenarten werden als ausgestorben oder gefährdet eingestuft. Hauptursache ist die intensive Landwirtschaft mit ihrem Pestizideinsatz und Strukturverarmung der Landschaft durch großflächige Monokulturen (Verlust beispielsweise von Hecken, Feldgehölzen oder Brachflächen), so die Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage. Die Lage für Vögel, Insekten, Pflanzen in der Agrarlandschaft verschlechtert sich nach einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz dramatisch, 41 Prozent allein der 560 Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht. "Praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen...sind von eklatantem Schwund betroffen" ( EJZ 21.6.17 ).

"Die Wildbienen verhungern" (EJZ , 21.6.17), Thema " Bienensterben" überall in den Medien. Wie absurd, den Bienen in der Stadt geht es besser als auf dem Land! Wir haben Verantwortung für unsere Umwelt. Was tun?

Es müssen von der Politik schnellstens Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass eine Umstellung auf eine ausschließlich ökologische Landwirtschaft erreicht werden kann. Blühstreifenprogramme helfen, reichen aber bei Weitem nicht und dürfen über die Notwendigkeit einer grundlegenden Agrarwende nicht hinweg täuschen. Es wird schwer sein, dieses gegen die Profitinteressen der Agrarindustrie und ihrer Lobbyisten überall im Land durchzusetzen. Doch wir haben für die Zukunft keine Alternative (vgl. Weltagrarbericht 2008).

Und auch gerade wir Imker/innen sollten konsequent sein und für den Winter unsere Bienen nicht mit Zucker einfüttern, der mit dem Einsatz von Pestiziden produziert worden ist! Und es wäre ein Segen für den Erhalt der biologischen Vielfalt - für die Honigbienen, Wildbienen, für viele Schmetterlings- , Käfer- und Fliegenarten - wenn wir grundlegend umdenken würden und unser Bild von einer Grünfläche, das sich über Jahrzehnte kollektiv in unser Bewusstsein gegraben hat, korrigieren könnten, nämlich weg von einem kurz geschorenen Rasen hin zu einer artenreichen Fläche an Blütenpflanzen, die maximal zweimal gemäht wird - in den Gärten, an Straßenrändern, auf öffentlichen Grünflächen in Dörfern und Städten.

In ganz vielen Städten hat man erkannt, wie notwendig es ist, sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt einzusetzen und stellt öffentliche Flächen hierfür zur Verfügung. Schön zur Zeit auch zu sehen die vielen Blütenpflanzen und Insekten an den Seitenrändern der Landesstraße von Clenze nach Lüchow. Gemäht wurde nur die Breite bis zu den Begrenzungspfählen, die restliche Fläche wurde stehen gelassen.

Hermann Klepper, Banzau

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