Online: 11.08.2017 - ePaper: 12.08.2017

Lösung: Verfugen

Betrifft: Diskussionen zum Straßenpflaster in Dannenberg

Die jahrelangen Kontroversen über das Straßenpflaster in der Dannenberger Langen Straße erreichen nun kabarettistische Größe. Vor vielen Jahren wurde für sehr viel Geld ein pittoreskes Kopfsteinpflaster verlegt, touristisch und denkmalpflegerisch sehr gelobt. An gehbehinderte Personen, Rollstuhlfahrer, Kinderwagenschiebende und Radfahrer wurde dabei nicht gedacht: Die mühen sich entweder mit dem Gehoppel ab oder düsen einfach halsbrecherisch über die Gehwege, dabei ahnungslose Fußgänger gefährdend.

Nun sind die Überlegungen und auch die finanziellen Mittel tatsächlich so weit entwickelt, dass ein Rausreißen der Pflastersteine und ein Ersatz durch einen neuen Belag für sage und schreibe 270000 Euro, möglicherweise bis zu 300000 Euro, kurz vor der Durchführung stehen. Laut Straßenausbaubeitragssatzung müssten nun die Anlieger die Kosten übernehmen, was von allen Seiten aber ungewünscht ist. Ist damit der Belag-Austausch vom Tisch? Mit behördlichem Um-die-Ecke-denken wird dieses Problem umschifft: Die Anwohner sollen zwar bezahlen, der Betrag ist aber auf Null gesetzt. Mehr solcher Lösungen wünschen sich die Bürger!

Das Dannenberger Belag-Problem ist beileibe nicht einzigartig: Auch in Bremen, im historischen Ostertor-Viertel, hat Kopfsteinpflaster Tradition. Hier hat man allerdings von Anfang an zu einer simplen Abhilfe gegen das Gehoppel gegriffen: Die Fugen wurden mit Teer gefüllt. Der Beruf des Teerfugen-Verfüllers (als Nebensparte des Pflasterers) scheint entweder unbekannt oder ausgestorben zu sein in Lüchow-Dannenberg. Oder traut sich keiner mit der heißen Teerkanne zielsicher, ohne zu kleckern, die Ritzen zu füllen?

Interessanterweise gibt es einen kleinen Bereich in der Lange Straße, der trotz Kopfsteinpflasterung nicht hoppelig ist. Und zwar am Ende der Straße, im Bereich des Stoppschildes. Da hat sich offensichtlich ein Straßenbelag-Planer Sorgen gemacht über die Autofahrer, die eventuell durch das Gehoppel nicht mehr rechtzeitig stoppen können. Lösungsempfehlungen: Die Verfugungen in diesem kleinen Bereich könnten auf den gesamten Belag ausgedehnt werden oder, wie oben beschrieben in Bremen, mit Teer verfugt werden für höchstens ein Zehntel der für die Erneuerung des Pflasters veranschlagten Kosten. Und, noch besser: Die übrig bleibenden Gelder von etwa 250000 Euro (die ja schon im Haushalt eingestellt sind) können in vernachlässigte Sozialprojekte (Kinderbetreuung, Bildung, Ernährung) und in die Kulturförderung gesteckt werden. Letztere bekommt gerade mal mickrige 12000 Euro im Jahr vom Landkreis. Da ist noch Platz nach oben drin - ohne Gehoppel.

Ursula Günthert, Damnatz

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