Online: 18.08.2017 - ePaper: 19.08.2017

Solidarität gefragt

Betrifft: Artikel "Sie machen den Beruf von anderen" (EJZ vom 11. August)

Das Beispiel der funktionierenden Abordnung eines Gymnasiallehrers an eine Grundschule ist sehr erfreulich und sollte der Normalfall sein. Alle Lehrkräfte haben unabhängig ihres Schwerpunktes während ihrer Ausbildung pädagogisches, didaktisches, methodisches und natürlich auch fachwissenschaftliches Rüstzeug erhalten. Pädagogik, Didaktik und Methodik sollte eine ausgebildete Lehrkraft auf andere Fächer übertragen können. Für Lehrkräfte an Grund-, Haupt-, Real, oder Oberschulen ist es meist beruflicher Alltag, auch fachfremden Unterricht zu erteilen. Das bedeutet, sich in Fächer einzuarbeiten, die nicht zu den studierten Fächern gehören. Dafür gibt es Unterstützung in der Literatur, durch Fortbildungen und hoffentlich auch in jedem Kollegium.

An Gymnasien ist es nicht üblich, andere als die studierten Fächer zu unterrichten. Leistbar sollte dies für jede Lehrkraft sein. Denn der Unterschied zwischen den Anforderungen an eine Grundschullehrkraft oder eine Gymnasiallehrkraft ist nicht so groß wie zwischen Tischler/Tischlerin und Bäcker/Bäckerin. Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen haben einen gemeinsamen Bildungsauftrag.

Abordnungen sind in der Regel kurzfristig. Gerade zum Beginn eines neuen Schuljahres stellt sich der Personalbedarf oft anders dar als geplant. Die Gründe dafür sind vielschichtig und eben nicht immer im Voraus planbar. Eine weitere Klasse ist nötig oder eine Lehrkraft fällt aus. Solidarität ist gefragt. Sicherlich bedeutet das Einarbeiten in andere fachliche Inhalte und das Einstellen auf andere Altersstufen Arbeit, aber es hat auch positive, horizonterweiternde, verständnisfördernde Seiten. Lehrer/in sein bedeutet, berufslebenslanges Lernen. Nicht zu vergessen: In den Grundschulen werden die zukünftigen gymnasialen Schüler unterrichtet. Welch ein Glücksfall für eine Gymnasiallehrkraft, die zukünftige Schülerklientel frühzeitig zu unterrichten und einen Eindruck zu bekommen, wie Grundschulen arbeiten und daran mitzuwirken.

Ute Schmidt, Bösen

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