Online: 24.08.2017 - ePaper: 25.08.2017

Vollpflasterung der Landschaft

Betrifft: Windkraft in Lüchow-Dannenberg

"Auch eine grün gepolte Ökonomie, deren Antrieb Gewinn, Konkurrenzfähigkeit und westlich-technologische Rationalität sind, deklariert sich zwar als Bearbeitung der ökologischen oder gar der multiplen Krise, wird aber die Naturbeherrschung und damit -zerstörung erhöhen." (Ulrich Brand, 2012). Die Vollpflasterung der Landschaft mit Windanlagen kann nicht der Weg in eine nachhaltige Gesellschaft sein. Wir werden mit einem grünen Anstrich der Industrie eine Zerstörung der Lebensgrundlagen nicht verhindern. Dazu braucht es den Dreizack der Nachhaltigkeit: Die technische Effizienzkomponente muss durch eine cradle-to-cradle-Strategie beflaggt werden, ökonomische Prozesse müssen als ein System geschlossener Stoffkreisläufe organisiert werden, die frei von Emissionen und Umweltschädigungen sind. Als drittes Element muss die Suffizienz hinzutreten, also ein Mentalitäts"weXel" zu bescheidener Lebensweise. Den Konsum, den sich die westliche Welt angeeignet hat, wird nicht ohne erhebliche Naturzerstörung möglich sein.

Zur Erderwärmungsbegrenzung auf zwei Grad haben wir ein maximales CO2-Budget von 2,7 Tonnen pro Bürger jährlich zur Verfügung. Ein Flug von Frankfurt nach Washington verursacht vier und jeder Deutsche liegt zurzeit bei gut elf Tonnen. Dazu haben wir die intragenerative Verpflichtung, den Ländern des Südens mehr CO2-Ausstoß zuzugestehen, wenn wir die globale Gerechtigkeit ernst nehmen. Somit ist sicher, dass es technisch allein nicht machbar ist, die Klimaziele zu erfüllen. Sie müssen flankiert werden von suffizienter Lebensweise.

Die vollmundig geäußerte Energiewende sehe ich nicht. In 2016 als Deutschlands Stromexportrekordjahr wurden 50 TWh ins Ausland transportiert. Das entspricht der Erzeugung von fünf Atomkraftwerken oder acht Prozent des deutschen Verbrauchs. Das entspricht fast Zweidrittel des erzeugten Windstroms. Das ist keine Energiewende, das ist reiner Kapazitätszubau zwecks Ermöglichung von Luxuskonsum.

Unterdessen ziehen die mafiosen Windbeteiligungsfirmen übers Land, wedeln mit Geld und säen Zwietracht in der Bevölkerung. Der angedachte Weg, die Windkraft als Bürgerenergie zu organisieren, ist längst aufgegeben Das kann nicht der Weg sein, und es gibt programmatische Ansätze, an die ich erinnere: "Nicht allein Fehlverhalten und Unwissenheit treiben in das Desaster. Vielmehr ist es der schrankenlose industrielle Wachstumswahn, der alle Regionen und Lebenswelten seiner aggressiven und expansiven Logik unterwirft. Seine Gier nach Stoffen und Energie, nach Landschaft und Zeit ist von keiner vorausschauenden Vernunft und Ethik gebremst und entzieht sich jeglicher Kontrolle […] Kurzsichtig wird in der Regel industriellen Verwertungsinteressen der Weg geebnet. Aufgabe und Pflicht des wirtschaftlichen Handelns bestehen deshalb darin, dringend Strukturen zu schaffen, in denen sich Selbsterhaltung und Sorge für sich selbst mit Fürsorge für andere und Rücksicht auf das gemeinsame Leben und die Natur verbinden" (Grundkonsens B90/Die Grünen).

Markus Schöning, Königshorst

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