Online: 11.10.2017 - ePaper: 12.10.2017

Artensterben zu Lasten der Verbraucher

Betrifft: Artikel "Ohne würden wir verhungern" (EJZ vom 28. September)

Ein Eigentor ist dieser Feldversuch, und der Wirt, der sich der Land-Chemie opfert, ist ein Eigen-Tor. Es ging in diesem Feld nicht um einen wissenschaftlich fundierten Versuch, sondern um eine ambitionierte Demonstration, um eine plakative Werbung, dass es nicht geht, trotz intensivem Bemühens und fachlicher Verve. Wie zum Advent öffnet sich ein Fenster hinein in eine Szenerie, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Im vollem Zuge des 6. großen Artensterbens argumentieren substanzielle Verursacher um den Brei herum, um mit schierem Theater zu deuten, dass die Welt ihr Heil in der Chemie wissen muss, und wie bei einer Büttenrede spielen die Rüben mit: "So schöne dicke Rüben, das schafft die Natur nie, da müssen wir ihr helfen, wir von der Chemie." Wir Verbraucher bitten um Nennung von Fakten, um Parameter, um den Versuchsaufbau. Monsanto sei Dank.

Es ist soweit, dass die Pflanzen sämtliche eigenen Resistenzen verloren haben. Sie sind ausschließlich für den Anbau mit Chemie konditioniert. Diese Hybride funktionieren nicht im Flor der Bodenpilze, in Atmosphären voll Schimmel, des Bisses und Stiches. Das Kasino Global der drei Konzerne, dass sich schon jetzt 60 Prozent der gewerblichen Saaten weltweit erspielt hat, pokert gegen uns Verbraucher, die reinbeißen in das, was billig ist. Jeder Kaufbeleg ist ein Ass auf der Hand, die mit uns spielt - mit uns, de Endverbrauchern. Was für ein wahres Wort in der Dimension eines großen Artensterbens. Sie setzt den Bauern ein als Opfer, täuscht mit gefakten Studien Scheinwelten vor. Der Eigen-Tor bis Du, der Verbraucher.

Vom Gesetzgeber mündig erklärt, von Werbung hörig gemacht und im Konsum unmündig geworden, ist es der Chor unseres Konsums, der die Tragödie des großen Artenschwunds intoniert. Traurig, aber wahr.

Ich möchte es Herrn Henke so gern glauben, was er beweisen will. Aber mich interessieren doch auch so sehr die Kosten von 8 Billionen US-Dollar weltweit, die das Artensterben schon jetzt jährlich mich als Verbraucher kostet, derweil Billigfleisch auf dem Aldi-Grill der Fleischfabrik Deutschland brutzelt.

Würg.

↔Jörg Knaak, Lüchow,

↔Imker im Wendland

^ Seitenanfang