Online: 13.10.2017 - ePaper: 14.10.2017

"Konventionelle Landwirtschaft gehört abgeschafft"

Betrifft: Artikel "Ohne würden wir verhungern" (EJZ vom 28. September)

Die Kernaussage, dass die Welt ohne Pflanzenschutzmittel verhungern würde, ist so alt und gelogen wie die konventionelle Landwirtschaft selbst. Herr Henke redet von Fakten, verbreitet aber meist nur Gerüchte, die schon immer nur eines zum Ziel hatten, nämlich den Menschen Angst vor Hunger einzujagen, damit die ressourcenschädigende Landwirtschaft sich ohne Widerstände ausbreiten konnte. Zunächst ein paar wirkliche Fakten: Die heute schon weltweit produzierten Nahrungsmittel reichen aus, um 12 Milliarden Menschen zu versorgen. Wir haben also kein Anbauproblem, sondern lediglich ein Verteilungsproblem, hinter dem Großkonzerne am Hunger in der Welt verdienen.

Die biologische Landwirtschaft beweist seit über 60 Jahren, dass sie in der Lage ist, ohne Kunstdünger und ohne Ackergifte 70 Prozent der Erträge der konventionellen Landwirtschaft zu erbringen. Das bedeutet, selbst wenn sämtliche konventionellen Betriebe auf biologischen Anbau umschwenken würden, würde kein Mensch deswegen verhungern müssen. Pestizide undNeonicotinoide sind nicht nur möglicherweise, sondern wissenschaftlich bewiesen für das Insektensterben im Allgemeinen und das Bienensterben im Besonderen verantwortlich. Wer also behauptet, ohne Gifte gebe es Hunger in der Welt, verbreitet Unwahrheiten, um Angst in der Bevölkerung zu erzeugen. Weiterhin ist es eine wissenschaftliche Tatsache, dass biologischer Anbau das Grundwasser und damit unser Trinkwasser schont und nicht mit Nitraten verschmutzt. Die biologische Vielfalt und mikrobakterielle Aktivität ist auf biologisch bewirtschafteten Flächen sehr viel höher.

Zu diesem "Sichtfenster" ist folgendes zu sagen: Diesen "Beweis" für die Notwendigkeit von Dünger und Ackergiften kann man nur als dilettantischen Fake bezeichnen. Es ist geradezu lächerlich zu erwarten, dass auf einer verwahrlosten Fläche eine gute Ernte zu erwarten wäre. Einfach nur Dünger und Gift wegzulassen, bringt selbstverständlich nichts. Nur muss man, wenn man biologisch wirtschaften will, einiges mehr "auf dem Kasten haben", als beim konventionellen Landwirtschaftsstudium gelehrt wird. Die Erde des "Sichtfensters" müsste zunächst geheilt, also belüftet und entgiftet werden. Eine vernünftige Fruchtfolge und überlegte mechanische Bearbeitung muss sich anschließen. Eine Umstellung auf vernünftigen Anbau erfordert sowieso Zeit, schon deshalb ist dieser klägliche Versuch nicht aussagekräftig.

Noch in einem weiterem Punkt irrt Herr Henke sich. Man muss nicht zueinander finden, damit wir nicht alle die Verlierer sind, sondern die konventionelle Landwirtschaft gehört abgeschafft, dann sind wir, Menschen und Umwelt, die Gewinner. Die Verlierer wären dann lediglich verantwortungslose Landwirte, Pharmakonzerne und der Rest der Agrarindustrie.

Peter Seidler,

Andrea Bindemann,

Müggenburg

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