Online: 10.11.2017 - ePaper: 11.11.2017

Nur noch zwölf Arten an Ackerwildkräutern

Betrifft: Artikel "Auch im Wendland sterben Insekten" (EJZ vom 8. November)

Das Problem des Insektensterbens sind die Monokulturen. Die Insekten sind seit 1990 in Schutzgebieten um rund 75 Prozent zurückgegangen. Das heißt, dass die zunehmende Monotonisierung der ausgeräumten Agrarlandschaften, in denen Tier- und Pflanzenarten kaum noch einen Lebensraum finden, auch massive negative Auswirkungen auf unsere wenigen Schutzgebiete haben. Viele Landschaftselemente wie Brachen, Hecken und breite Feldränder entlang von Gemeindestraßen fehlen. Es dominieren Mais-, Raps- und Weizenfelder, wobei Erstere für die meisten Tier- und Pflanzenarten regelrecht lebensfeindlich sind. Von 270 Ackerwildkräutern sind praktisch nur zwölf meist gegen Herbizide resistente übrig geblieben, die nur für wenige Insektenarten Nahrungsgrundlagen bilden.

Wenn also ein Breitbandherbizid wie Glyphosat eingesetzt wird, das alle Ackerbeikräuter vernichtet, werden damit auch die Lebensgrundlagen für die Insekten vernichtet. Somit trägt anders als vom Landwirt Tebel behauptet der Einsatz von Glyphosat unmittelbar zum Rückgang von Insekten bei, denn Insekten sind auf eine vielfältige Pflanzenwelt angewiesen. Hinzu kommt die tödliche Wirkung der Neonikotinoide. Sie töten Insekten nicht nur effektiv, sondern verändern auch deren Verhalten, wie am Beispiel der Honigbiene nachgewiesen wurde. Nachgewiesen ist ebenso, dass kleine Felder die Artenvielfalt genauso fördern wie die Umstellung auf organische Bewirtschaftung. Da Insekten gerade auch für die Landwirtschaft eine besondere Bedeutung als Bestäuber und Fressfeinde für Schädlinge haben, ist die Antwort Tebels vollkommen unakzeptabel und in jedem Fall von Unkenntnis jeglicher ökologischer Zusammenhänge gekennzeichnet, wenn er behauptet, dass der Einsatz von Glyphosat nichts mit dem Insektensterben zu tun habe. Da Bienen, Wespen, Käfer etc. das Fundament eines gesunden Ökosystems sind (weniger Insekten bedeuten weniger Fische, Frösche, Eidechsen, Vögel und Säugetiere), ist hier zügiges und konsequentes Gegensteuern jedes einzelnen Landwirts sowie der zuständigen Stellen gefragt.

Richtig ist allerdings auch, dass Glyphosat tatsächlich nicht der allein Verantwortliche für das Insektensterben ist. Denn die Überdüngung von Feldern tragen ebenfalls zu einer Artenverarmung bei. Stickstoffempfindliche Arten haben hier kaum noch einen Lebensraum. Der DUH zufolge brachten deutsche Landwirte im Schnitt 100 kg Stickstoff pro Hektar mehr aus, als die Pflanzen aufnehmen konnten, mit den bekannten Folgen von hohen Nitratwerten im Grundwasser. Dieses dauernde Zuviel an Dünger, Gülle und Pestiziden halten unsere Ökosysteme nicht länger aus. Davor als Landwirt die Augen zu verschließen ist einfach nur verantwortungslos.

Glyphosat kann ein verantwortungsvoller Landwirt alleine schon deshalb nicht ausbringen, weil die Substanz als "wahrscheinlich krebserregend" gilt.

↔Silvia Salomon, Kiel

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