Online: 01.12.2017 - ePaper: 02.12.2017

Studie mit Schwächen

Betrifft: Insektensterben

Ja, die Studie hat Lücken, denn es wurde "nur" in Naturschutzgebieten (NSG) gefangen. Der Nabu äußert sich wie folgt dazu: "Die Studie konnte nicht abschließend klären, wie groß der Einfluss durch die intensive Lanwirtschaft auf den Zustand der Insektenwelt tatsächlich ist." Einen Hinweis liefert uns die Studie aber dennoch. Bei den Untersuchungsflächen weisen nämlich 90 Prozent der Standorte im Umfeld intensive Landwirtschaft auf. Damit sind diese Standorte ganz typisch für Schutzgebiete der heutigen Kulturlandschaft. Etwa 60 Prozent aller NSG sind hierzulande kleiner als 50 Hek-tar. Die Gebiete werden durch ihre Insellage und durch ihre langen Außengrenze stark von ihrer Umgebung beeinflusst - äußere Einflüsse, wie der Eintrag von Pestiziden oder Nährstoffen, können nicht ausreichend abgepuffert werden. So liegt es nahe, dass durch Praktiken der intensiven Landwirtschaft der Erhaltungszustand vieler Schutzgebiete massiv beeinträchtigt wird - und nicht zuletzt der von Insekten. Die Studie ist repräsentativ für alle Offenlandbiotope des deutschen Tieflands. Damit sind sie von überregionaler Bedeutung und lassen vermuten, dass es sich beim Insektenrückgang um ein flächendeckendes Problem handelt. Mittlerweile stellt sich also nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten steckt, sondern vielmehr, wie der Insektenrückgang noch zu stoppen ist.

Der Nabu und andere Naturschutzorganisationen fordern daher eine drastische Reduktion des Pestizideinsatzes und ein Verbot aller Pestizide auf der als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Landesfläche. Um zukünftig bei Untersuchungen besser feststellen zu können, welche Wirkstoffe in welcher Höhe und in welchem Zeitraum angewendet wurden, muss für mehr Transparenz gesorgt werden. Zumindest Naturschutzbehörden und Wissenschaftlern müssen die Daten über Pestizideinsätze zugänglich gemacht werden. Der Arbeitskreis Schmetterlinge Wendland hat die Datenlage der Tagfaltermeldungen der vorigen 40 Jahre ausgewertet. Dabei zeigt sich, dass folgende Arten gänzlich verschwunden sind: Lungenenzian Ameisenbläuling 1978, Baldrian- Scheckenfalter 1978, Violetter Feuerfalter 1981, Feuriger Perlmutterfalter 1982, Zwergbläuling 1983, Silberfleck-Perlmutterfalter 1993, Würfeldickkopffalter 1993, Mittlerer Perlmutterfalter seit 1994, Kleines Ochsenauge seit 1996, Rotklee-Bläuling seit 1997, Ginster-Bläuling seit 2000, Großer Perlmutterfalter 2000, Dukatenfalter 2003, Großer Eisvogel seit 2006, Brauner Zipfelfalter seit 2006, Gelbwürfeliger Dickkopffalter 2006, Lilagold Feuerfalter 2007, Vogelwicken-Bläuling 2007, Großes Wiesenvögelchen 2007. Von 82 Tagfalterarten im Wendland gelten somit 19 Arten als verschollen.

Neben dem Verlust an Arten, der seit Jahrzehnten voranschreitet, steht nun also die reine Menge im Fokus, die laut Studie drastisch abnimmt. Wie bereits in der EJZ kommentiert: Wen stört es? Konstruktive Vorschläge wie die Pflege an den Straßenrändern werden mit Argumenten wie Verkehrssicherheit abgebügelt.

↔Klaus Müller, Lanze

↔AK Schmetterlinge Wendland

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