Online: 28.10.2014 - ePaper: 28.10.2014

Dietrich Mozen: Altes Wissen weitergeben

pw Billerbeck. Dietrich Mozen freut sich, wenn er als „Schulmeister“ bezeichnet wird. Als er im April 1967 seinen Schuldienst antrat – die ersten drei Monate noch an der Dorfschule in Billerbeck, dann an der neu gebauten Swinmark-Grundschule in Schnega – hat er damit auch alle anderen Aufgaben übernommen, die früher von einem Dorfschullehrer in der Gemeinde erwartet wurden. „Schule und Dorf bildeten immer eine Einheit, und wir haben das alles miteinander verknüpft“, sagt Mozen über sich und seine Frau Helga, die ebenfalls Lehrerin in Schnega gewesen ist.
So organisiert der 76-Jährige unter anderem seit Jahrzehnten den Schnegaer Markt, gehörte zu den Gründungsmitgliedern des 1970 gegründeten Fremdenverkehrsvereins Swinmark, dessen Vorsitzender er bis heute ist, saß 18 Jahre im Aufsichtsrat der Volksbank Schnega und ist einer der Gründer und Organisatoren der Schnegaer Erntefestgruppe, die das historische Erntefest Vörgodendeelsdag veranstaltet.
Bei dem Fest, das über die Kreisgrenzen hinaus Beachtung findet, zeigen die Mitglieder der Erntefestgruppe, wie mühsam die Landwirtschaft früher war, als die Ernte noch mit Sense und Kuhgespannen eingeholt wurde.
Das Geschehen auf dem Feld kommentiert Dietrich Mozen. Er weiß aus Erfahrung, wovon er spricht: Bevor er sich für den Lehrerberuf entschied, hat der Billerbecker im Bereich Landwirtschaft gelernt und studiert. Sie ließ ihn auch später nicht los: Seit 1970 betreibt Mozen eine Nebenerwerbs-Landwirtschaft und seit rund 20 Jahren Lüchow-Dannenbergs einzigen Arche-Hof, auf dem er unter anderem Leineschafe und die gehörnte weiße Heidschnucke züchtet, vom Aussterben bedrohte alte Tierrassen.  
„Ich habe immer versucht, meine beiden Berufe zu verbinden und mein Interesse für die Landwirtschaft in die Grundschule und in die kulturhistorischen Aktionen einzubringen“, sagt Dietrich Mozen über sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement, das sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen lässt: „Ich will altes Wissen und historische Vorgänge mit und für Kinder sichtbar machen. Denn wenn man nicht weiß, woher man kommt, weiß man auch nicht, wohin man geht.“
Der Billerbecker ist überzeugt, dass nicht nur Bau- und Naturdenkmäler es verdienen, bewahrt zu werden, sondern auch alte Handwerkstechniken und der Genpool alter Haustierrassen. Das sei Nachhaltigkeit.
Mozen praktiziert sie mit seinen Schafen, von denen er nicht nur das Fleisch, sondern auch die Felle und Wolle verwertet: Über die Wolle kamen er und seine Frau zur Spinnstube, die sie 1970 eingerichtet haben. „Wir wollten die Verwertbarkeit der Wolle zeigen“, sagt Dietrich Mozen, der beim Spinnen und Weben in der Gruppe erst gelernt hat, richtig plattdeutsch zu reden. Dieses Wissen gibt er seit 27 Jahren in einer Plattdeutsch-AG der Swinmark-Schule weiter. „Es hängt alles zusammen: die Schafe, die Wolle, die Verarbeitung. Das ist Nachhaltigkeit.“ Sein soziales Engagement für ältere Menschen, um die er sich mit seiner Frau kümmert, erklärt das Mitglied des Schnegaer Kirchenchores mit christlicher Nächstenliebe: „Wir sind aktive Christen, unser Glaube ist uns sehr wichtig.“

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