Online: 04.11.2014 - ePaper: 04.11.2014

Christiane HörsterFrau mit großem Herz

ZoomEin Leben für andere: Christiane Hörster aus Lüchow kümmert sich im Lüchower Altenheim St. Georg um alte Menschen, hört ihnen zu, geht mit ihnen spazieren oder zum Arzt.

bp Lüchow. "Guten Morgen", sagt Christiane Hörster, lacht und legt dem alten Mann, der vor ihr im Rollstuhl sitzt, die Hand auf die Schulter. Gerade ist sie zu ihrem täglichen Besuch im Lüchower Altenheim St. Georg angekommen. Seit 41 Jahren ist sie so gut wie jeden Tag dort. Sie redet mit Menschen, hört ihnen zu, geht mit ihnen zum Arzt oder im Amtsgarten spazieren, hält Sterbenden die Hand.

Zu helfen, das ist der 65-Jährigen wichtig. Sie hat es früh gelernt. Ihre Eltern arbeiteten in Hamburg bei der Diakonie Elim, ihr Vater als Handwerker, ihre Mutter in der Wäscherei. Zu den dortigen evangelischen Schwestern hatten Hörster und ihre beiden Drillingsschwestern sowie ihre beiden Brüder viel Kontakt. "Die Diakonissen waren wunderbare Vorbilder für uns", sagt Hörster. Noch immer sei der Glaube eine Triebkraft ihres Handelns, das Gebet ein wichtiges Mittel bei der Umsetzung. Gerne denkt die gebürtige Hamburgerin an ihre Kindheit zurück, die immer auch davon geprägt gewesen sei, anderen unter die Arme zu greifen und Hilfsbedürftige zu unterstützen. Ab dem zehnten Lebensjahr - als Hörster neun Jahre alt war, starb ihr Vater - seien sie und ihre Geschwister den Diakonissen zur Hand gegangen, hätten Essen verteilt, beim Putzen geholfen oder in der Wäscherei ausgeholfen. "Und wir waren alle fröhlich dabei, keine Zeit war uns zu lang", erinnert sich Hörster.

Daran hat sich mindestens in ihrem Fall bis heute nichts geändert. Seit 1973 arbeitet sie unermüdlich und ohne Lohn täglich im Altenheim mit, macht den Bewohnern das Leben möglichst angenehm, fröhlich, lebenswert. Erstaunlich, dass sie nicht selbst Altenpflegerin geworden ist. Aber dazu kam es schlicht nicht. "Ich habe viel Freude an Schriftlichem und bin Bürokraft geworden", sagt sie. Weil ihr Bruder in Lüchow lebte, kam sie ebenfalls in die Kreisstadt, lernte dort ihren Mann kennen. Später war sie Hausfrau, kümmerte sich um die beiden Töchter.

Doch Hörster wollte nicht, dass das alles ist. Sie wollte mehr von ihrer Zeit für andere geben. "Gerade weil ich gesund und dankbar dafür bin, möchte ich diese Dankbarkeit weitergeben, indem ich mich um alte und kranke Menschen kümmere und für sie da bin", beschreibt die Lüchowerin ihre Motivation. Nein, es gebe keine heile Welt, aber es helfe nicht, sich auf dieser Erkenntnis auszuruhen. "Wenn wir nichts tun, dann wird es nur schlimmer", ist sie überzeugt und dankbar, dass es in Lüchow-Dannenberg viele Menschen gibt, die ehrenamtlich in diese Richtung arbeiten. Sie alle hätten eine Auszeichnung verdient, dieser Gedanke ist Hörster besonders wichtig.

Was in Hörsters Kraft steht, tut die Unermüdliche, damit es nicht schlimmer wird - jeden Tag im Altenheim St. Georg. "Ich fühle mich dort angenommen und gut aufgehoben", sagt sie. Gut zuhören zu können, das sei für ehrenamtliche Helfer bei der Arbeit mit alten Menschen eine der wichtigsten Voraussetzungen. "Viele erzählen gerne aus ihrer Vergangenheit", berichtet sie aus ihrer täglichen Praxis. Die Lebensleistung der alten Menschen anzuerkennen, das sei eine ihrer zentralen Aufgaben, denn das komme im Altenheim-Alltag mitunter zu kurz. "Anerkennung und Zuwendung zu geben, das ist ganz wichtig", ist die Ehrenamtlerin überzeugt. Es sei ihr die größte Freude, anderen Freude zu machen. "Wer Freude gibt, der bekommt unglaublich viel Freude zurück", lautet ihr Credo. Sie sehnt sich nach einer Welt, in der die Menschen mehr füreinander da sind. Sicher ist: An ihr scheitert es nicht, dass dieser Wunsch Wirklichkeit wird.

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