Online: 24.11.2014 - ePaper: 25.11.2014

Michael Mützel ist Lüchow-Dannenbergs "Mensch 2014". Doch die Preisverleihung der gemeinsamen Aktion von EJZ und Volkbank Osterburg Lüchow-Dannenberg im Autohaus Belling & Schmidt stand nicht nur im Zeichen des Kinderschutzbund-Kassenwarts, sondern im Zeichen aller, die sich in Lüchow-Dannenberg ehrenamtlich engagieren.

Die Gewinner der Wahl "Mensch Lüchow-Dannenbergs": Große Bühne für heimliche Helden

ZoomDas Musikschulorchester schuf den musikalischen Rahmen der Veranstaltung - und begeisterte das Publikum.

Emotionale Gala im Dannenberger Autohaus Belling - Michael Mützel als Mensch Lüchow-Dannenbergs ausgezeichnet

bp Dannenberg. Menschen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, haben die EJZ, die Volksbank Osterburg Lüchow-Dannenberg und ihre Partner am Freitagabend auf großer Bühne und in feierlichem Rahmen geehrt. Im festlich dekorierten Dannenberger Autohaus Belling waren viele der Geehrten sichtlich gerührt. Kein Wunder, denn viele der ebenso stillen wie heimlichen Helden sind es nicht gewohnt, für ihre Arbeit mit Preisen bedacht zu werden. Und auch ein Orchester - im konkreten Fall das Sinfonieorchester der Musikschule Lüchow-Dannenberg - spielt sonst nicht für sie auf. Im Gegenteil: Diese Menschen sind als Ehrenamtler tragende und doch oft beinahe unsichtbare Stützen der Gesellschaft. Sie würden "zur Ehre anderer" arbeiten, so drückte es Moderator Propst Stephan Wichert-von Holten aus, der das Publikum humorvoll durch den Abend geleitete.

Die ungeheure Bedeutung des Ehrenamts hob auch Landrat Jürgen Schulz (parteilos) hervor. Er wies darauf hin, dass niedersachsenweit 41 Prozent aller Menschen im Alter ab 14 Jahren ehrenamtlich tätig seien. In Lüchow-Dannenberg sei die Quote sogar noch höher: "Es gibt also rund 20000 Menschen, die etwas tun, das sie nicht tun müssten und ohne die das Leben im Landkreis sofort zusammenbrechen würde." Selbstkritisch merkte Schulz an, dass die Behörden - auch die, an deren Spitze er steht - oft Probleme hätten, angemessen mit dem Ehrenamt umzugehen. Ehrenamtler würden beim Zusammentreffen mit Staatsvertretern noch zu oft an ihre Grenzen stoßen. "Wir müssen die Ampeln auf Grün stellen, wenn es um ehrenamtliches Engagement geht, das ist bisher nicht immer der Fall", forderte Schulz und griff sich damit nicht zuletzt selbst an die Nase. Auf die Frage hin, ob er denn selbst ehrenamtlich aktiv sei, nannte Schulz, der seine Freizeit unter anderem mit Taubenzucht verbringt, dass er unter anderem als Rassegeflügel-Preisrichter deutschlandweit aktiv sei.

Sowohl Schulz als auch Wichert-von Holten waren Teil der Jury gewesen, die eine Vorauswahl getroffen hatte. Die EJZ-Leser hatten 61 Menschen für den Titel Mensch Lüchow-Dannenbergs vorgeschlagen und jeder Vorschlag habe etwas für sich gehabt, meinten die beiden. An der Wahl hatten sich 2500 EJZ-Leser beteiligt, berichtete Redaktionsleiter Hans-Hermann Müller.

Landrat und Propst berichteten von ihrem mulmigen Gefühl, ein Ranking ins Ehrenamt zu bringen. "Eigentlich hätten den Titel 20000 Menschen in Lüchow-Dannenberg verdient", bekräftigte Schulz. Trotzdem sei die Aktion sinnvoll, weil sie das Ehrenamt in den Fokus rücke und den Blick für die ehrenamtliche Tätigkeit schärfe. "Nehmt die Platzierungen nicht zu ernst", rief er die Geehrten auf. Wichert-von Holten betonte, dass es keinen Kandidaten gebe, der "absolut ausgerissen" sei.

Einen Sieger gab es dann aber doch: Michael Mützel, als Schatzmeister, Motor und Ideengeber des Kinderschutzbundes Lüchow-Dannenberg, ist der Mensch Lüchow-Dannenbergs 2014. Sichtlich gerührt nahm er von der Volksbank Osterburg Lüchow-Dannenberg, die die Gala gemeinsam mit der EJZ ausrichtete, einen symbolischen Scheck in Höhe von 1000 Euro als Unterstützung für seine Arbeit und eine Urkunde entgegen und konnte sein Glück kaum fassen. "Emotional und aufregend" seien die zurückliegenden Tage gewesen, berichtete Mützel gegenüber der EJZ. Für ihn sei es eine tolle Sache gewesen, nominiert worden zu sein und "unglaublich, auf dem ersten Platz gelandet zu sein". Auf die Frage hin, was ihm am wichtigsten an seiner ehrenamtlichen Arbeit sei, sagte der 56-Jährige: "Zuhören und den Menschen eine Plattform bieten, auf der sie sich aussprechen und ihre Nöte äußern können." Menschen Hoffnung zu geben, das gebe ihm Kraft, den Weg beim Kinderschutzbund weiterzugehen.

Der Zweitplatzierten Christiane Hörster, die seit 41 Jahren beinahe täglich Bewohner des Altenwohnheims St. Georg besucht, attestierte Wichert-von Holten spürbare Freundlichkeit und Fröhlichkeit. "Mit dem Nächsten ins Gespräch zu kommen und den Blick für den anderen geöffnet zu haben", das sei die Motivation für ihren Dienst. "Das Miteinander macht reich", brachte Hörster ihre Erfahrungen auf den Punkt, sehe man jemanden traurig, "dann darf ich ihn nicht einfach stehen lassen - Zuhören hilft", so Hörsters Credo. Gegenüber der EJZ betonte sie immer wieder, dass der Besuchsdienst im Altenheim St. Georg aus 16 Personen bestehe und jeder den Preis verdient hätte. Hörster erhielt als Unterstützung für ihre Arbeit 500 Euro.

Auf dem dritten Platz landete Dietrich Mozen aus Billerbeck, dem es unter anderem ein Anliegen ist, alte landwirtschaftliche Techniken, Fertigkeiten und Traditionen zu pflegen und weiterzugeben. Er wolle "die Ursprünge der Dinge vermitteln", schließlich wüssten viele Kinder gar nicht mehr, "woher die Nahrungsmittel kommen". Das Dorfleben müsse man einüben, wandte sich Mozen an Dorfneulinge, denn es sei "viel Arbeit, Mühe und Schweiß" und nicht bloß heile Welt. "Menschen wie Sie sind wunderbare Beispiele dafür, wie Leben im ländlichen Raum gelingen kann", befand Wichert-von Holten. Mozen bekam 350 Euro.

Die Anzahl der Stimmen für die übrigen sieben Kandidaten lag so nah zusammen, dass es keine Platzierungen gab. Kaja Eisele, Werner Gebert, Karl-Heinz Hunold und Hella Pfefferling-Hunold, Susanne von Imhoff, Hans Walpert, Horst Wellmann sowie Wolfgang Zuhl erhielten jeweils Gutscheine in Höhe von 250 Euro als Anerkennung für ihre wichtige und doch oft so versteckt geleistete und nicht selten wenig gewürdigte Arbeit.

"Tun Sie anderen etwas Gutes", mit diesem motivierenden Aufruf beendete Wichert-von Holten die Mensch-Gala und bekam dafür viel Applaus von den rund 200 Besuchern. Es ist ein Wunsch, den nicht nur die zehn Platzierten der gemeinsamen Aktion von EJZ und Volksbank Osterburg Lüchow-Dannenberg aus vollem Herzen teilen dürften.

^ Seitenanfang